Sonntag, 8. August 2010

Cues folgen


Neulich hatte ich eine Unterhaltung mit einer anderen Tänzerin auf dem Sparrenburg, die glaubte, dass Cues für Anfängerinnen groß und extra sichtbar sein müssen, weil sie mit dem Cue-System von ATS, also FatChanceBellyDance, überfordert wären. Daraufhin habe ich meine Erinnerungen durchforstet danach, wie ich Cues "gelernt" habe. Ich glaube, in meinem ersten Stamm gab es keine Verzögerungen nach einem Cue. Die Führende wechselte den Move und alle folgten sofort.

Als ich nach Bielefeld gezogen war, hatte ich ein paar Workshops besucht, um meine Tribal-Kenntnisse wieder aufzufrischen. Die Workshop-Leiterinnen hatten einen verzögerten Einsatz nach Cues unterrichtet – allerdings noch recht "nah" am Wechsel: Die Armhaltung für den nächsten Move erfolgt dabei auf den beiden letzten Schlägen des gerade getanzten Moves (i.d.R. 3/4 bzw. 7/8 ). Ich nenne dieses Phänomen mal "Cue-Verzögerung".

Also hatte ich das auch so übernommen und auch unterrichtet, denn es hatte ja was Logisches. Und erst bei den Workshops von Wendy Allen vor zwei Jahren kam diese Cue-Verzögerung auf den Prüfstand. Danach haben wir das Prinzip auch in unserer Gruppe immer mehr aufgeweicht, bis wir ganz auf FCBD-Stil umstiegen und damit die Cue-Verzögerung fast komplett abgeschafft haben.

Jetzt hatte ich mich mit meiner Stammesschwester darüber noch mal unterhalten, wie das denn genau unserem letzten Stamm war und wie die sie unterrichtet hatten - sie hatte bei diesem Stamm mit Tribal angefangen. Und sie sagte was ganz Interessantes, nämlich dass sie als Anfängerin sich mit dieser Cue-Verzögerung total überfordert fühlte. Ein Move ist ja ein in sich geschlossenes Element, dass man inkl. Armhaltung lernt – und dann soll man das also noch verändern, um in das nächste, wieder in sich geschlossene Element zu gehen. Wenn man das mal genau betrachtet, dann sind die diversen Übergänge in diesem System ja auch wieder spezielle Moves, die man zusätzlich "lernen" muss (z. B. bei Übergang Arabic in Double Choochoo 2 Schläge Arabic in Double Choochoo-Armhaltung etc.). Sie findet es jetzt viel leichter, einfach "reinzugehen" in die nächste Bewegung.

Eine andere Stammesschwester hat, seit wir auf FCBD-Format umgestellt haben, einen Riesensprung gemacht und sich total schnell weiterentwickelt und führt auch lieber mal (dazu musste man sie immer ein bisschen treten). Ihre Standardfrage beim Führen war immer: "Wie komme ich hier raus?" Dann hatten wir immer diese Cue-verzögerten Übergänge geübt. Heute sagen wir dann nur: Wo willst Du hin? Dann mach' das einfach. Und wuppdich klappt das auch. Daher vermute ich, dass es da einen Zusammenhang gibt. Mal ganz abgesehen davon, dass bei uns die Bremse gelöst ist und wir viel mehr Spaß haben!

Ich vermute also, Cue-Verzögerung ist nicht nur eine "Bremse" beim möglichen Tempo (Power-Tribal) sondern auch keineswegs hilfreich für Anfänger. Eine der Dozentinnen, bei der ich einen Tribal-Workshop belegt hatte, meinte, zum Einstieg in neue Moves sei es eine Hilfe, wenn man nach dem Cue die laufende Bewegung noch 1-2mal weiter macht und dann erst wechselt. Ich fand das extrem irritierend, weil ich als Folgende ja den Cue erst sehe und dann quasi rückwärts rechnen muss – also beim Lernen einer Bewegung auch noch die "1" suchen muss und von da an weiter zählen und dann auch noch einen sauberen Wechsel ins nächste Element zu machen. Uff.

Ich hatte Wendy Allen davon erzählt und nach ihrer Meinung gefragt. Sie schüttelte nur den Kopf und meinte, wenn FCBD tanzen, dann sei das wie Achterbahnfahren – man muss halt zusehen, dass man dran bleibt. Diese Metapher ist seither bei meiner Gruppe Programm: Wir machen die Musik an, fahren Achterbahn und haben einen Heidenspaß dabei!

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