Donnerstag, 20. Mai 2010

Tribal:Pura in Barcelona – Teil 2



Mein Rücken fühlt sich gerade wieder besser an und ich berichte mal vom ersten Tag des Tribal:Pura. Da die Workshops immer erst um 15 Uhr begannen, blieb die erst Tageshälfte für Besichtigungen und ich machte mich auf zum Park Güell, Antonio Gaudis utopischem Projekt. Der ist in den Hügeln hoch über Barcelona und um dorthin zu gelangen, gibt es tatsächlich draußen Rolltreppen! Das habe ich auch noch nicht gesehen! I wanderte im ganzen Park mit seinen Wäldern und seinen Kunstwerken herum und ging dann in die Stadt, um vor den Workshops noch was zu essen. Dann schnappte ich mir meine Trainingssachen im Hotel, das ganz praktisch in der Nähe der Workshop-Räume lag.
Die Tribal:Pura Workshops fanden in einem sehr großen Tanzraum mit einer großen Anzahl ATS-Tänzerinnen statt. Ich schätze, es waren so 70 oder 80 Frauen aus ganz Europa. Meine Bekannte kam aus Luxenburg, wir machten die Movement-Drills mit einer Italienerin und die Führen-Folgen-Drills mit einer jungen Frau aus Norwegen. Die Frauen kamen aus Polen, England und sonstwoher aber die Mehrheit kam natürlich aus Spanien. Eigentlich mag ich solche Massen-Workshops gar nicht. Es ist nicht immer leicht, die Dozentinnen überhaupt gut zu sehen, es ist eng und es gibt keine persönlichen Korrekturen. Man muss halt zusehen, dass man das beste für sein Geld daraus zieht.
Der erste Teil des Workshops, die Temple Stretches, fielen Problemen mit der Musikanlage zum Opfer. Es gab eine gründliche Einführung in langsame und schnelle Basis-Elemente. Keine schwierigen ASWATs und Sahra Turns here, nur einfache Egyptians, ChooChoos, Taxeems, Reverse Turns und die tatsächlich schwierigen Torso Twists. Wir übten diese in Dreiergruppen und ich merkte, dass meine Besichtigungstouren durch Barcelona meine armen Füße strapaziert hatten. Ich hatte ein paar Blasen bekommen und meine Füße waren wirklich müde, so dass ich mich bei jeder Gelegenheit – längere Erklärungen oder Demonstrationen oder was Aufzuschreiben – hinsetzte. Nach einer der gelegentlichen Reihenwechsel war ich hinten und nutzte die Gelegenheit, etwas zu trinken, als ich Belly Dance Super Star Mitglied und Tribal Fusion-Tänzerin Samantha Emanuel (formerly Hasthorpe) dort entdeckte. Während des weiteren Verlaufs der Workshops assistierte sie Carolena und Megha oft mit Demonstrationen und die ganze Zeit über schaute sie aufmerksam zu, übte und schrieb mehr mit als ich. Als ich sie später fragte, was sie denn dort mache, meinte sie einfach – und auch ein bisschen stolz: "Carolena ist meine Lehrerin!" Also wieder einmal ein Beweis dafür, dass ATS auch für Tribal Fusion-Tänzerinnen die Wurzel ist.
Ganz heiß: Heute bekam ich die Info von Perlatentia, dass Samantha im September nach Hannover kommt und Workshops im Studio Movenyo gibt! Wen es interessiert: Augen auf und bei Perlatentia nachfragen! Für alle bei Facebook hier ein Link mit Info dazu:
http://www.facebook.com/event.php?eid=120469874650452&ref=ts

Einer der Workshops an diesem Tag drehte sich um Bühnenpräsenz. Carolena und Megha zeigten den Unterschied zwischen verhuschten und kraftvollen Aufgängen und wir übten kraftvolle Aufgänge in zwei sich gegenüberstehenden Reihen. Dreiergruppen kamen aus einer Reihe heraus und tanzten auf die andere zu, die sie anfeuerte, und als sie zurück tanzte, kam aus der gegenüberliegenden Reihe die nächste Dreiergruppe hervor. Mit so vielen Teilnehmenden dauerte die Übung natürlich eine ganze Weile, aber es machte auch Spaß! Meiner Meinung nach hätte auch der Bühnenabgang ein Thema sein sollen, denn verhuschte Abgänge machen einen guten Auftritt auch kaputt. Aber das war dann nicht mehr Thema...
Zum Schluss unterrichtete Carolena Bauchwellen und -flattern. Sie meinte, das sei schwierig zu unterrichten, weil sie es nicht für uns tun kann. Bei den anderen Elementen kann sie die Haltung, die Arme etc. korrigieren aber bei den Wellen und dem Flattern müssen wir den Dreh in uns selbst heraus bekommen. Bauchflattern ist für mich nicht schwierig, den Trick habe ich schon lange raus. Aber es ist immer gut, andere Herangehensweisen an eine Sache zu lernen. Schülerinnen, die ein Element nicht verstehen, begreifen es vielleicht, wenn sie es auf eine andere Weise erklärt bekommen. Carolena erklärte das Flattern über eine Art Schnüffeln und hob hervor, dass man währenddessen nicht mehr einatmen kann. Nach Anstrengungen und wenn man müde ist, kann das Flattern besonders schwer fallen.
Bauchwellen kann ich im Grunde auch in beide Richtungen, aber nicht annähernd auf so beeindruckende Art wie Carolena. Sie erklärte viel zu den Isolationen der Bauchmuskeln und zeigte uns ein Yoga Bandha, bei dem sie erst die rechte und dann die linke Seite des Bauches komplett einziehen konnte. Hmmmm, dazu bräuchte ich wohl ein paar Jahre Yoga-Praxis. Aber es zeigt wie so eininges andere eben, dass ATS eben viel gründliches und langfristiges Training benötigt.
Auf dem Weg zurück zum Hotel machten meine Bekannte und ich kurz halt an einem Sportstadium auf dem Weg. Dort schnappten wir uns Karten für eine echte Flamenco-Show, nicht so was Aufgesetztes für Touristen. Die Show war eine Kreation von Carlos Saura, dem spanischen Regisseur, der Filme und Shows wie Die Bluthochzeit, Carmen, Iberia und noch weitere gemacht hat. Diese Show hieß "Hoy! Flamenco" und war fantastisch mit Gesang, Tanz mit klassischem und modern-kreativen Einschlägen, verschiedenen Settings – wirklich klasse! Das spanische Publikum war ebenfalls vollends begeistert und es war spannend zu erkennen, welch deutlichen Einfluss Flamenco auf ATS hatte. Ich hätte alles allerdings noch viel mehr genießen können, wenn ich nicht so hundemüde von zwei Tagen Barcelona und einem halben Tag ATS tanzen gewesen wäre...

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