Freitag, 22. Oktober 2010

Wendy Allen in Dillenburg 2010



Dieser Monat ist so voll mit Tanzen dass ich mit dem Berichten kaum hinterher komme. Heute hatte ich die Gelegenheit, Videos der spontanen ATS-Tanzparty während des Caravan Gatherings Anfang Oktober mit Devi Mamak anzuschauen: Wir Tänzerinnen kamen aus verschiedenen Gruppen in Russland, Großbritannien und Deutschland und das sah richtig gut aus, so als ob wir das öfter machen würden! Das war einfach fantastisch und ich liebe es, mich an die Magie dieses Abends zu erinnern!

Nur eine Woche nach dem Caravan Gathering stfand mein ATS Highlight des Jahres an: Wendy Allens mittlerweile jährlich stattfindendes Workshop-Wochenende in Dillenburg! Ich hatte mich schon früh für alle Workshops angemeldet und leitete dieses Wochenende für mich schon am Donnerstag Abend mit einem Choli-Näh-Workshop ein. Meine Mutter ist gelernte Näherin und hat viele Kostümteile meiner Bauchtanz- und Tribalkostüme genäht aber für mich waren Nähmaschinen bis zu diesem Abend das große Unbekannte. Ich kann per Hand nähen, stricken und häkeln, aber Nähmaschinen... Nun, im Sommer erstand ich ein Anfängermodell aber fand vor dem Workshop noch nicht mal Zeit, die Nähmaschine auszupacken. Es ging abet gut. Die Dozentin machte das richtig gut und ich war überrascht, dass Nähen gar nicht so ein undurchdringliches Mysterium war, wie ich immer dachte. Ich bekam mein Choli auch fast fertig und freue mich schon drauf, es zu vollenden – aber leider hatte ich bisher nicht die Zeit dazu... Am Freitag besuchten meine Tanzschwester und ich Isarmas Muskel-Guide-Workshop, der uns für Wendys Floorwor-Workshop später am Abend vorbereitete. Das war eine gute Idee weil Isarma uns wertvolle Ratschläge geben konnte dazu, wie wir gut auf uns aufpassen beim Floorwork, worauf wir achten sollten und mit welchen Übungen wir unsere Muskeln optimal auf diese Arbeit vorbereiten.

Dann war es Zeit für Wendy. Sie begann mit einem Workshop zur Musikalität: Wie wir verschiedene langsame Musikstücke hören sollten und sie am besten mit langsamen Bewegungen umsetzen sollten. Das machten wir dann auch mit schneller Musik und Wendy erklärte, welche Bewegung gut zu welchen Rhythmen passen. Wir übten das dann und hatten gleich viel Spaß. Dann wurden unsere Muskeln noch im Floorwork-Workshop gefordert, in dem es um die meisten Elemente der Floorwork-DVD von FatChanceBellyDance (Vol. 8) ging.

Dies ging an meinen Muskeln nicht spurlos vorbei, und nicht nur an meinen Muskeln nicht! Aufstehen am nächsten Morgen, sich setzen und wieder aufstehen und Treppen steigen wurden zur harten Übung ... Den ersten Teil des folgenden Tages verbrachte ich mit Notebook und Handy bei der Vorbereitung der ersten großen Mitgliederversammlung des Tribal D.A.CH. Vereins am Abend und fühlte mich mehr wie auf Geschäftsreise denn auf Urlaub (was ich eigentlich war).

Mittlerweile waren viele Freundinnen zu den Workshops angereist. Wendys Workshops sind mittlerweile zu einem "Muss" für die deutsche ATS-Fangemeinde geworden. Am Samstag unterrichtete sie uns darin, was das Flair des FCBD-Stils ausmacht. Da ging es schwerpunktmässig um Haltung, na klar, das war keine Überraschung! In den anderen Workshops ging es um Drehungen und Spins und um neue Zimbelmuster, denn FCBD nutzen neben den bekannten 3er-Rhythmus und Military Pattern auch weitere Zimbelmuster zur Variation. Nach den Workshops ging es gleich mit der Mitgliederversammlung des Vereins weiter, die gut verlief und danach hatte ich endlich das Gefühl, mich etwas entspannen zu können. Viele Tänzerinnen interessierten sich dafür und sprachen mich auf den Verein an, dessen 1. Vorsitzende ich bin. Viele traten auch ein, was natürlich sehr schön ist. Aber insgesamt wurde es ein langer Tag, denn die Versammlung dauerte bis 22 Uhr und wir waren froh, danach in einem Restaurant noch etwas zu essen zu bekommen.

Am Sonntag kamen unsere beiden Tanzschwestern noch zu den Workshops, so dass mein kompletter Stamm bei den Sonntags-Workshops dabei waren! Diese drehten sich um Formationen, Duelling Duets und das spontane Planen eines kompletten ATS-Sets für eine große Gruppe. Wir teilten uns in zwei Gruppen und trafen Absprachen, wer mit wem wozu raus geht und was tanzt. Das klappte nicht immer wie geplant, aber machte viel Spaß. Wir bekamen gute Tipps dazu, wie wir üben können, immer schnell unsere Positionen in den Formationen zu finden und wir übten, für ein Publikum zu tanzen, dass um eine Gruppe herum steht, mittels "Stealing the Lead."

Am Ende ging die Zeit wieder viel zu schnell vorbei! Wir hatten uns so gefreut, unsere Tanzfreundinnen aus ganz Deutschland und mittlerweile auch Europa wieder zu sehen, aber die Zeit ist immer zu kurz... Dennoch, wir bekamen so viel Inspiration und Motivation, davon werden wir noch eine Weile zehren. Wir freuten uns gleich auf unsere nächste Gelegenheit zu tanzen und auf unserer Training! Und obwohl ich mittlerweile quasi Wendys Workshops abonniert habe, wird nächstes Jahr alles anders: Ich habe begehrte Plätze in den Seminaren General Skills und Teacher Training Level One ergattert, die Carolena Nericcio selbst nächstes Jahr in Deutschland zum ersten Mal geben wird! Wendy wird da auch dabei sein. Da habe ich wirklich etwas, worauf ich mich nächstes Jahr freuen kann! YAY!

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Caravan Gathering 2010



Der September war total zugepackt mit Arbeit und gegen Ende des Monats erwischte mich auch noch eine schlimme Erkältung. Und jetzt ist es schon Oktober, der ganz im Zeichen des Tanzens steht! Obwohl ich noch mit meiner Erkältung rang, wollte ich meine Anmeldung für Devi Mamaks Workshops "Caravan Gathering" in Lüttich am ersten Oktoberwochenende nicht absagen. Eine meiner Tanzschwestern fuhr mit und ich wusste, dass Gabriella und eine ihrer Stammesschwestern am Sonntag auch dort sein würden.

Devi Mamak ist eine australische ATS-Tänzerin, die einige ATS-Schritte und Bewegungen entworfen hat, von denen einige zu "offiziellen" ATS-Bewegungen werden, d.h. sie werden Teil des Repertoires von FatChanceBellyDance. Das wollten wir natürlich lernen!
Wir fuhren am Samstag früh los und kamen entspannt am Studio in Lüttich an. Tatsächlich waren wir eine ganze Stunde zu früh da, aber das ist ja immer besser als zu hetzen und abgekämpft anzukommen. Das Oktoberwetter war herrlich, aber leider gab es kein Café in der Nähe, wo wir uns hinsetzen und einen Kaffee oder Tee hätten trinken können. Hannele Aaltonen hatte die Workshops von Finnland aus organisiert und die Teilnehmerinnen kamen aus ganz Europa, z. B. aus Großbritannien, Russland, Polen, Belgien (klar), Frankreich und Norwegen, und wir aus Deutschland.
Devi war noch etwas müde und ge"jetlagged", weil ihre Anreise aus Australien über 30 Stunden gedauert hatte, aber sie war trotzdem eine inspirierende Lehrerin und Tänzerin. Wir lernten zuerst eine Reihe "nicht offizieller" ATS-Schritte (die also nicht direkt zum ATS-Repertoire von FCBD gehören), die hauptsächlich vom Egyptian und Arabic Basic abgeleitet waren, sowie einige langsame Bewegungen voller Dramatik. Mein Kopf war immer noch vernebelt von der Erkältung, ich hustete und schniefte aber ich bekam alle Bewegungen ganz gut mit. Sie demonstrierten sehr gut das Prinzip des "ATS New Style", wie Carolena Nericcio es in ihrem vieldiskutierten "Fireside Chat"-Artikel definiert hat, der letzten Monat die Tribalwelt bewegt und den Weg von ATS in die Zukunft aufgezeigt hat. Diese Aufklärung dazu, was ATS ist und woraus das gemeinsame Repertoire aller ATS-Tänzerinnen bestehen soll und wie dabei Raum zur eigenen Entfaltung und Kreativität innerhalb des ATS-Rahmens und der ATS-Philosophie bleibt, war überfällig. Carolena wird das Konzept in ihrer nächsten Lehr-DVD genauer erläutern, aber Devis Bewegungen halfen mir, zu verstehen, was es bedeuten soll, im Kontext von ATS Neues zu entwickeln.

Als nächstes zeigte Devi uns zwei ihrer choreographierten Set-Eröffnungen, um ATS effektiv auf die Bühne zu bringen. Wenn man ATS auf der Bühne zeigt ist es sinnvoll, das nicht immer auf die gleiche typische Art und Weise zu tun. Sogar FCBD präsentieren es mit choreografierten Elementen und Tänzen in ihren Shows.
Der Unterricht endete mit einem Vortrag von Devi und anschließender Diskussion zu Bühnenpräsenz. Es gab eine Menge Tipps und Tricks, auch dazu, wie man beispielsweise mit Ablenkung umgeht. Hannele hatte für den Abend eine kleine Show arrangiert, bei der die Teilnehmerinnen auftreten und füreinander tanzen konnten. Mein Kopf war auch beim Packen noch vernebelt und so musste ich feststellen, dass ich meine Kontaktlinsen vergessen hatte. Ich entschied mich aber dagegen, meine Brille aufzulassen, weil ich meine Duettpartnerin auch so sehen konnte, und wir tanzten dann einfach. Devi tanzte auch zweimal für uns. Zum einen bewies sie, dass man ATS auch als Solo tanzen kann, und zum anderen tanzte sie die Flamenco-Gypsy-Choreografie, die sie anderntags unterrichten würde. Dann schlug jemand vor, ob wir nicht einfach zusammen tanzen wollen. Phil Thorntons CD "Nexus Tribal" wurde eingelegt und dann tanzten wir Tänzerinnen aus allen Nationen einfach zusammen ATS! Es war fantastisch, so viel Spaß und vibrierende Energie im Raum! Viele von uns kannten sich vorher gar nicht aber es zeigte sich, dass Tanzen eine globale Sprache ist! Ich vergass sogar meine Erkältung und die vergessenen Kontaktlinsen, es war alles so einfach und selbstverständlich!
Meine Tanzschwester und ich konnten bei einer sehr lieben belgischen Tänzerin übernachten, wir waren am Ende auch wirklich müde und schliefen tief und lange. Zum Glück ging es am Sonntag mit den Workshops erst um 13 Uhr los und wegen diverser größerer Veranstaltung und dem Wochenendmarkt mussten wir auch eine Menge Umwege fahren und bekamen viel von Lüttich zu sehen dabei.
Devi begann damit, zu erläutern, wie man sich am besten auf das Tanzen langsamer Bewegungen vorbereitet und was es dabei zu beachten gibt. Ich liebe langsame Bewegungen und ihre "Unterwasser"-Qualität, wenn sie richtig mit der notwendigen Körper- und Muskelspannung ausgeführt werden. Devi hatte dazu ein paar Übungen parat, um sich dessen bewusst zu sein.
Danach zeigte sie und ATS-Schritte, die im kommenden Monat "offiziell" werden, langsame und schnelle Bewegungen. Sie ist eine sehr elegante Tänzerin, die deutlich von ihrem Flamenco-Hintergrund geprägt ist, was den Bewegungen auch diese Farbe gibt. Sie machen Spaß, sind wunderschön und können auch als Duettversion und zum Tanz im Kreis variiert werden.
Danach war es einfach genug für mich. Ich bin ein großer Fan von ATS und der dazu gehörenden Improvisation. Das und meine Erkältung bewogen mich dann, den letzten Workshop, Choreographie, auszulassen und mich auf den Heimweg zu machen. Ich kam spät genug zu Hause an und musste am Montag ja auch gleich arbeiten. Ich hatte genug Inspiration mit den tollen Bewegungen bekommen, die wir nun dem Repertoire unserer Gruppe hinzufügen wollen und so konnte ich den einen Workshop verschmerzen.
Es war gut, dass sich meine Erkältung nicht verschlimmert hatte und nach zwei Tagen im Büro began ja auch mein Urlaub! Nach einem Tag Entspannung packte ich schon wieder für ein volles ATS-Wochenende in Dillenburg, das mit einem Choli-Näh-Workshop am Donnerstag abend und einem Muskel-Guide-Workshop zu Floorwork am Freitag nachmittag begann. Dann war es wieder Zeit für Wendy Allen! Ich schwelge noch immer in Erinnerungen an das vergangene Wochenende und werde auch bald davon berichte

Mittwoch, 25. August 2010

Synchronizität


Um noch mal auf Gründe der Faszination von ATS zurück zu kommen: In Edward T. Halls Buch "The Dance of Life" gab es noch mehr interessante Ansätze zum Nachdenken. Er schreibt ausführlich über das Konzept des Synchronisiertseins in der Zeit - mit einer anderen Person, der Familie, ganzen Gruppen, einer gesamten Kultur. Er hebt hervor dass es es für Menschen, Gruppen, Orte und Kulturen jeweils grundlegende Rhythmen gibt. Wenn jemand mit dem Rhythmus seiner Gruppe, Kultur etc. nicht mehr synchron ist, bekommt er Probleme oder fühlt sich abgeschnitten, ohne zu wissen, warum eigentlich. Menschen haben ihren eigenen Rhythmus - manche einen sehr schnellen, manche eher durchschnittliche, immer im Vergleich mit ihrer Gruppe. In Kulturen, in denen Menschen eng miteinander verbunden sind, erspüren diese das sehr deutlich.

Unsere eigene Kultur trainiert unsere Empfänglichkeit für diese Rhythmen eher nicht. Allerdings können wir es erleben, dass das Zusammensein mit bestimmten Menschen unseren eigenen Rhythmus aus dem Takt bringt und uns ungeschickt werden lässt, wir lassen Dinge fallen oder fühlen uns innerlich unruhig. Wir sind nicht aufeinander eingestimmt, nicht synchron. Bei anderen Leuten wiedrum haben wir das Gefühl, mit ihnen ohne jede Anstrengung zusammen arbeiten zu können, alles wird leicht, wir fühlen uns "richtig" und es macht Spaß. Wir sind auf diese Menschen eingestimmt und ihre Rhythmen passen zu uns... Demnach ist klar, dass es keine gute Idee ist, jemanden zu heiraten, dessen Rhythmus vom eigenen völlig verschieden ist. ... Während das alles einem Anghörigen des westlichen Kulturkreises esoterisch vorkommen mag, erinnert es mich an ein Konzept aus dem arabischen Raum. Ich habe einmal gelesen, dass es in er arabischen Kultur normal ist, davon auszugehen, dass jede Person einen ganz eigenen Rhythmus bzw. eine Melodie hat. So tanzen sie bei einer Party immer dann, wenn Musik gespielt wird, die diesem inneren eigenen Rhythmus entspricht. In Marokko ist der Einfluss dieser inneren Musik auf die Menschen so stark, dass sie darüber quasi hypnotisiert werden können. Dieser innere Rhythmus ist auch in dortigen Heilungsprozessen und -ritualen sehr wichtig.

Einige Kulturen messen dem Synchronsein sehr hohen Wert bei, z. B. Japan. Dort ist traditionell die Gruppe wichtiger als das Individuum. Um aufeinander eingestimmt zu sein und die Rhythmen zu synchronisieren, arbeiten Team-Mitglieder z. B. oft im selben Raum. Auch die Team- und Gruppenleiter bleiben so bei ihren Mitarbeitern. Bevor Sumoringer mit ihrem Kampf beginnen dürfen, müssen sie ihre Atmung synchronisieren. Vergleichen wir mit unserer eigenen Kultur: Platz für einen allein ist ein Statussymbol. Der Chef hat immer sein eigenes Büro. Konkurrenz und eigene Profilierung ist in Teams oft wichtiger als die gesamte Gruppe. Wir erhoffen von östlichen Praktiken wie Meditation, Atemübungen etc., dass sie uns Entspannung von unserem hektischen Arbeitsstil bringen und uns helfen, wieder mit dem Universum in Verbindung kommen, wenn wir uns von allem abgeschnitten fühlen.

ATS ist ein Tanz, in dem das Konzept der Synchronizität sehr wichtig ist. Alle ATS Gründerfiguren, wie Carolena Nericcio und Kajira Djoumahna, betonen stets, dass die Gruppe als Ganzes wichtig ist, nicht die einzelne Tänzerin. Alles, was eine ATS-Tänzerin tut, soll helfen, die Wirkung der Gruppe zu verbessern und zu verschönern, wir sollen immer wie ein Schwarm Vögel oder Fische als harmonisches Ganzes tanzen. Das ist kein Tanz für Solo-Diven, die die Bühne für sich alleine brauchen und alle Aufmerksamkeit stets auf sich ziehen. In diesem Zusammenhang sind Übungen wie die "Moving Meditation", die Carolena Nerricio zuerst eingeführt hat, sehr sinnvoll: Sie unterstützen die Tänzerinnen dabei, sich aufeinander einzustimmen und zu synchronisieren.

Das alles kann sehr gut erklären, warum manchmal eine Tänzerin nicht in eine ATS-Gruppe passt: Wenn die Frauen viel miteinander tanzen, achten sie aufeinander und sind stets eingestimmt. Ihre Kommunikation und Synchronizität geschieht wie von selbst ohne Anstrengung. Sie wirken nie so, als ob sie sich schwer konzentrieren müssen oder hart arbeiten, sie bewegen sich anmutig, sicher, leicht und mit einem Lächeln. Und sie entwickeln einen eigenen Gruppen-Rhythmus. Sie werden wahrscheinlich ihren Musikgeschmack angleichen und dieselbe Musik bevorzugen. Natürlich wird es bessere Tage als andere geben. Manchmal sind die Tänzerinnen ganz einfach synchron, an anderen Tagen wird es konkurrierende Rhythmen geben und alles nicht so glatt ablaufen. Wenn eine neue Tänzerin mit ihrem fremden Rhythmus in die Gruppe kommt, wird sie wahrscheinlich erst einmal den Gruppenrhythmus aus dem Takt bringen. Am Ende wird sie aber entweder auf die anderen eingestimmt sein, oder sie wird einfach nicht in die Gruppe passen und kann nicht dauerhaft Mitglied sein. Also gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Synchronizität und Gruppenzusammenhalt.

Ein weiterer Aspekt der Synchronizität, der bereits erwähnt wurde, ist die Einstimmung auf die jeweilige Umgebung. Wenn wir auf das, was uns umgibt, eingestimmt sind, erreichen wir alles ganz leicht. Sich aber krampfhaft um etwas bemühen und sich zu sehr anzustrengen verhindert Synchronizität. Ich habe das mehrmals selbst erlebt, als ich noch Pferde geritten habe. Wenn ich mich auf eine Lektion zu sehr konzentrierte, verlor ich die Einstimmung mit dem Pferd. Wenn ich loslassen konnte und mich nicht mehr krampfhaft bemühte, gelang die Lektion dann ganz mühelos, wie durch Magie. Das gleiche gilt fürs Tanztraining: Sich zu sehr auf eine Übung versteifen hilft gar nichts. Ein leichtfüßigeres Herangehen und die Einstimmung auf die Gruppe ist oft hilfreicher und macht auch mehr Spaß!

Eine solche synchronisierte Gruppenerfahrung kann sehr gut die Faszination, die ATS auf die Tänzerinnen ausübt, erklären, die Energie, die sie zusammen erschaffen und die auch das Publikum mit einbezieht und mit der Gruppe synchronisiert. Es scheint kein Zufall zu sein, dass die Inspiration für diese Tanzform aus Kulturen kommt, in denen die Gruppe und die Einstimmung auf die Gruppe sehr wichtig ist. Die Wurzeln des ATS liegen im nahöstlichen Bauchtanz, die Moving Meditation kommt aus dem indischen Tanz, und auch die Musik ist oft östlich oder hat orientalische Einflüsse. Es sieht ganz so aus, als ob unsere Kultur noch jede Menge zu lernen hat über Synchronizität und die Einstimmung auf das, was uns umgibt!

Dienstag, 17. August 2010

Ein Verein für Tribal


Heute verließ ich das Büro ziemlich pünktlich, ich hatte einen Termin beim Notar, um einen Verein, den Tribal-D.A.CH-Verein, ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Ich bin eine der sieben Gründerinnen und die 1. Vorsitzende und als solche kümmere ich mich um die Formalien. Ich wurde in einen Besprechungsraum geführt und als der Notar herein kam und mir die Hand gab, sagte er: "Also eine kleine Vereinsregistrierung" oder sowas. Hmmm, nun, für mich ist das nicht "klein". Obwohl ich schon in verschiedenen Vereinen Mitglied - oft auch ein aktives Mitglied – war, habe ich noch nie einen gegründet und ich hatte keine rechte Vorstellung davon, wie viel Arbeit das wirklich bedeutet (eine Satzung aufsetzen, die Formalien, die kreative Anstrengung, Inhalte zu erarbeiten, Ideen zu entwickeln ... als ob mein Vollzeit-Job, mein Tribalstamm und das Leben allgemein mich nicht schon genug auf Trab hielten!).

Ich glaube, auch den anderen sechs war das nicht immer so klar... Eigentlich, wenn ich es so recht bedenke, kannten wir uns alle gar nicht so richtig, wir leben auch alle recht weit voneinander entfernt. Oder, um präziser zu sein: Einige wohnen näher beieinander und kennen sich besser, aber insgesamt sind wir schon ein gemischter Haufen.

Für mich begann alles mit meinen ersten Wendy Allen Workshops – so wie dieser Blog, meine große Liebe zu ATS etc., irgendwie hat es mein Leben verändert ... Jedenfalls, diesen Workshop hatte Gabriella organisiert, die Leiterin einer der ersten deutschen Tribalstämme, Neas Tribal, und ich traf dort einige ihrer Schülerinnen und einige Tänzerinnen aus dem hohen Norden und dem tiefen Süden und so einigen Orten zwischendrin. Eine davon machte ein Internetforum auf für Tänzerinnen mit einem echten Interesse an Tribal und ATS und dort kamen wir alle zusammen, diskutierten, teilten unser Wissen und, auch das ist leider wahr, beklagten häufig das Niveau von und Wissen über Tribal in Deutschland allgemein... Irgendwann kam die Idee auf, einen Verein zu gründen, der Tribal Style Belly Dance, ATS, Tribal Fusion in den Mittelpunkt stellt – ein Ort, um Wissen zu diesen Tanzformen zu sammeln und zu bündeln, zu überlegen, wie man die Qualität des Unterrichts darin verbessern kann, zum Netzwerken und so vielem mehr.

Wir trafen uns auch persönlich, zum Beispiel auf Workshops von Wendy, Martha, Kajira, Amy Sigill, Kami Liddle etc. und wir tanzten zusammen – ATS, weil das die Wurzel und die Basis von allem Tribal ist, wovon wir fest überzeugt sind – und daher können wir auch zusammen tanzen wenn wir uns mal treffen. Ich muss allerdings sagen, auch wenn Tanzen harte Arbeit ist, so macht es doch viel mehr Spaß! Einen Verein gründen und ins Leben zu rufen ist anstrengender – wir merkten bald, dass wir an einigen Punkten arbeiten mussten, wir nicht immer in allem einig waren etc. Aber wir haben es geschafft! Wir sind an dem Punkt angekommen, dass wir nun weitere Mitglieder einladen und aufnehmen, die Neuigkeiten zu Tribal verbreiten können, im echten Tribal-Spirit!

Als er die Papiere durch sah, las der Notar "Tribal Style Dance" und fragte, was das denn wäre, das hätte er noch nie gehört. Nun, das ist genau der Punkt ... aber wie darauf antworten in einem Satz, wenn das Gegenüber nicht die geringste Ahnung hat? Ich sagte, es sei eine aus dem Bauchtanz entstandene eigene Tanzform, die von außen etwas folkloristischer aussähe (häh?) und dachte: Höchste Zeit für den Verein, um diese Frage überflüssig zu machen ... also: Los geht's! Ihr findet uns bei www.tribaldach.de und www.myspace.com/tribaldach-verein.

Sonntag, 8. August 2010

Cues folgen


Neulich hatte ich eine Unterhaltung mit einer anderen Tänzerin auf dem Sparrenburg, die glaubte, dass Cues für Anfängerinnen groß und extra sichtbar sein müssen, weil sie mit dem Cue-System von ATS, also FatChanceBellyDance, überfordert wären. Daraufhin habe ich meine Erinnerungen durchforstet danach, wie ich Cues "gelernt" habe. Ich glaube, in meinem ersten Stamm gab es keine Verzögerungen nach einem Cue. Die Führende wechselte den Move und alle folgten sofort.

Als ich nach Bielefeld gezogen war, hatte ich ein paar Workshops besucht, um meine Tribal-Kenntnisse wieder aufzufrischen. Die Workshop-Leiterinnen hatten einen verzögerten Einsatz nach Cues unterrichtet – allerdings noch recht "nah" am Wechsel: Die Armhaltung für den nächsten Move erfolgt dabei auf den beiden letzten Schlägen des gerade getanzten Moves (i.d.R. 3/4 bzw. 7/8 ). Ich nenne dieses Phänomen mal "Cue-Verzögerung".

Also hatte ich das auch so übernommen und auch unterrichtet, denn es hatte ja was Logisches. Und erst bei den Workshops von Wendy Allen vor zwei Jahren kam diese Cue-Verzögerung auf den Prüfstand. Danach haben wir das Prinzip auch in unserer Gruppe immer mehr aufgeweicht, bis wir ganz auf FCBD-Stil umstiegen und damit die Cue-Verzögerung fast komplett abgeschafft haben.

Jetzt hatte ich mich mit meiner Stammesschwester darüber noch mal unterhalten, wie das denn genau unserem letzten Stamm war und wie die sie unterrichtet hatten - sie hatte bei diesem Stamm mit Tribal angefangen. Und sie sagte was ganz Interessantes, nämlich dass sie als Anfängerin sich mit dieser Cue-Verzögerung total überfordert fühlte. Ein Move ist ja ein in sich geschlossenes Element, dass man inkl. Armhaltung lernt – und dann soll man das also noch verändern, um in das nächste, wieder in sich geschlossene Element zu gehen. Wenn man das mal genau betrachtet, dann sind die diversen Übergänge in diesem System ja auch wieder spezielle Moves, die man zusätzlich "lernen" muss (z. B. bei Übergang Arabic in Double Choochoo 2 Schläge Arabic in Double Choochoo-Armhaltung etc.). Sie findet es jetzt viel leichter, einfach "reinzugehen" in die nächste Bewegung.

Eine andere Stammesschwester hat, seit wir auf FCBD-Format umgestellt haben, einen Riesensprung gemacht und sich total schnell weiterentwickelt und führt auch lieber mal (dazu musste man sie immer ein bisschen treten). Ihre Standardfrage beim Führen war immer: "Wie komme ich hier raus?" Dann hatten wir immer diese Cue-verzögerten Übergänge geübt. Heute sagen wir dann nur: Wo willst Du hin? Dann mach' das einfach. Und wuppdich klappt das auch. Daher vermute ich, dass es da einen Zusammenhang gibt. Mal ganz abgesehen davon, dass bei uns die Bremse gelöst ist und wir viel mehr Spaß haben!

Ich vermute also, Cue-Verzögerung ist nicht nur eine "Bremse" beim möglichen Tempo (Power-Tribal) sondern auch keineswegs hilfreich für Anfänger. Eine der Dozentinnen, bei der ich einen Tribal-Workshop belegt hatte, meinte, zum Einstieg in neue Moves sei es eine Hilfe, wenn man nach dem Cue die laufende Bewegung noch 1-2mal weiter macht und dann erst wechselt. Ich fand das extrem irritierend, weil ich als Folgende ja den Cue erst sehe und dann quasi rückwärts rechnen muss – also beim Lernen einer Bewegung auch noch die "1" suchen muss und von da an weiter zählen und dann auch noch einen sauberen Wechsel ins nächste Element zu machen. Uff.

Ich hatte Wendy Allen davon erzählt und nach ihrer Meinung gefragt. Sie schüttelte nur den Kopf und meinte, wenn FCBD tanzen, dann sei das wie Achterbahnfahren – man muss halt zusehen, dass man dran bleibt. Diese Metapher ist seither bei meiner Gruppe Programm: Wir machen die Musik an, fahren Achterbahn und haben einen Heidenspaß dabei!

Sonntag, 1. August 2010




Letztes Wochenende musste ich an beiden Tage für meine Firma arbeiten, das Shooting einer Videofilmreihe für die Kampagne unseres neuen Produktes stand auf dem Plan. An diesem Wochenende fand auch das traditionelle Bielefelder Sparrenburgfest statt, ein Mittelalterspektakel. In den vergangenen Jahren, seit ich in der Stadt lebe, bin ich immer hingegangen. In den letzten drei Jahren war ich im Tribal-Kostüm dort mit einer meiner Tanzschwestern. Dazu kam immer eine ihrer alten Freundinnen, die nicht mehr in der Gegend lebt aber zum Sparrenburgfest immer kommt und heute Mitglied von Shir o Shakar ist, und eine meiner Ex-Schülerinnen aus einer anderen Stadt, ein Mittelaltermarkt-Fan und auch Tribaltänzerin, die mich zu diesem Anlass immer besucht hat. Zusammen kamen wir aus drei Stämmen und hatten nicht immer die gleichen Bewegungen und das gleiche Format im Program, aber wenn die Musik passte, haben wir doch miteinander getanzt, da wir so in etwa die gleiche Basis haben. Klar waren wir für die Besucher auch immer ein schönes Fotomotiv und mussten oft posieren.

Dieses Mal war ich aber nicht sicher, dass ich es zum Sparrenburgfest schaffen würde. Die Tanzschwester, mit der ich immer hingegangen war, wurde im Mai Mama und kam diesmal nicht im Tanz-Outfit, und ihre Freundin konnte dieses Jahr leider nicht kommen. Aufgrund meiner Arbeitsbelastung verzichtete meine Freundin auf den Besuch in diesem Jahr. Dafür wollten aber meine beiden anderen Tanzschwestern losziehen und eine hatte auch Gäste eines Hannoveraner Stammes eingeladen. Als ich also einigermaßen zeitig von der Arbeit nach Hause kam, schmiss ich mich zackig in mein Tribalkostüm "light" und machte mich für die letzten beiden Stunden noch auf zur Sparrenburg. Also gab es wieder ein Stämmetreffen, diesmal mit Vertreterinnen von zwei Stämmen, alle vier von uns waren da - auch wenn nur drei auf Tanzen eingestellt waren. Und wir tanzten gemeinsam, auch wenn unser Bewegungsrepertoire nicht komplett identisch war.

Als die Band zwischen zwei Stücken pausierte, kam eine Besucherin auf mich zu, die auch "triballig" aufgemacht war. Sie sagte, sie komme aus einer Stadt im Umkreis und tanze auch Tribal, ihre Gruppe sei auch da und sie treten demnächst auch irgendwo auf. Wir luden sie spontan ein, mit uns zu tanzen aber sie lehnte mit dem Hinweis ab, dass ja jede Gruppe so ihren Stil hat und daher nicht mit einer anderen tanzen könne. Dieses merkwürdige Argument hatte ich in den vergangenen Jahren schon gelegentlich gehört, wenn wir von anderen Besucherinnen angesprochen wurden, die auch angaben, Tribal zu tanzen.

Ich habe schon oft hier und anderswo geschrieben, dass ich der Überzeugung bin, dass ATS - das Originalformat von FatChanceBellyDance - die Basis allen Tribals ist. Das kann dann von anderen Formaten gefärbt werden, BSBD, Gypsy Caravan, Domba, die Entwicklung eigener Bewegungen und Kombos - aber die Basis sollte eben ATS sein und wenn das der Fall ist, können auch alle Tänzerinnen miteinander tanzen, auf der ganzen Welt. Übrigens berichtete neulich eine Bekannte vom Besuch eines Workshops von Rachel Brice. Rachel habe andauernd auf ATS, das FatChance-Format verwiesen als Basis von Tribal, also auch Tribal Fusion. Sie verwies stets darauf, bei Haltung, Armhaltung etc. Also bitte.

Dennoch scheint das immer noch für viele im Lande neu zu sein - ohne tatsächlich neu zu sein. Es sickert anscheinend nur langsam durch. Statt dessen haben die Leute die merkwürdigsten Ansichten zu ATS: Die ATS-Haltung sei ungesund für den Rücken, weil man im Hohlkreuz stehe, das ATS-Cue-System sei "rudimentär" (???), ATS-Tänzerinnen haben häßliche Füße und dergleichen völling unbegründeten Unsinn mehr. Manche behaupten gar, ATS sei für Tribal gar nicht wichtig.

Nun, sogar Rachel Brice sieht das anders. Und von der Liste derjenigen, die zuletzt bei der in Deutschland aktiven FCBD-Lehrerin Martha Saunders Workshops besuchten, auszugehen, sehen es auch die besten Tribal Fusion-Gruppen in Deutschland anders, da sich eben auch Tänzerinnen von z. B. Perlatentia und Shir o Shakar in diesem Stil weiterbilden. Wieso die wohl nicht glauben, ATS sei nicht wichtig?

Zurück zu meiner Unterhaltung mit dieser Tänzerin auf dem Sparrenburgfest: Ich sagte ihr, dass Tänzerinnen, die ATS als Basis haben, sehr wohl gemeinsam tanzen können, auch wenn das gesamte Repertoire nicht identisch ist - schließlich machten wir das ja mit unseren Freunden, und auch mit anderen Tänzerinnen, die wir auf einschlägigen Workshops treffen und gar nicht kennen. Dann sagte sie etwas in der Richtung, dass wir ja keinen richtigen ATS-Stil tanzen, wir wären so weich... Das war nun etwas überraschend, da meine Gruppe zur Zeit nur ATS trainiert und tanzt, wir jeden möglichen Workshop mit FCBD-Lehrerinnen im letzten Jahr besucht haben, von Martha, Wendy Allen, sogar Carolena Nericcio, inklusive Intensiv-Coaching mit Martha. Also wies ich darauf hin, dass wir in der Tat ATS tanzen, wenngleich auch nicht perfekt oder fehlerlos, aber definitv ATS. Dann meinte sie, sie kenne diesen Stil hauptsächlich von den FCBD DVDs und Gonda, der Leiterin des brillianten niederländischen Tribal Fusion-Ensembles "Tribal Mystica". Nun, tatsächlich hatte ich auch mal bei Gonda Unterricht und weiß, wer ihre Tribal-Lehrerin ist und dass sie für ihre Gruppe ATS abgewandelt hat, die Bewegungen härter, weniger weich und fließend, eben mehr "Gothic" macht. Also haben nicht wir was abgewandelt, sondern die Lehrerin meiner Gesprächspartnerin... Ich sagt ihr, dass wir sehr viel Unterricht bei den Originalen nehmen, Wendy, Carolena etc., um ihr mal einen Hinweis darauf zu geben darauf, dass sie nicht Expertin spielen müsse wo sie es nicht ist, und nebenbei der Unterricht von den Originalen in Deutschland zu haben ist - für die, die es denn lernen wollen. Sie behauptete dann, das Cue-System von FCBD sei ja auch speziell, wie auf der entsprechenden DVD zu sehen. Ich meinte, ja, das kennen wir und machen wir auch so, und oft ist in diesem Format eben der Cue der Beginn der Bewegung, so dass man schnell sein und genau auf die Führende achten müsse. Darauf meinte sie, ihre Gruppe seien noch Anfängerinnen und da müssten die Cues noch richtig deutlich und sichtbar gemacht werden. Na ja, ich sah mir ihre Gruppe daraufhin mal an und finde die Einschätzung, dass sei Anfängerinnen seien, richtig: Da haperte es noch an der Haltung - immer ein gutes Zeichen, wo man als Tribaltänzerin so steht - und ich fragte mich, ob es wohl eine gute Idee sei, mit Anfängern in diesem frühen Stadium aufzutreten. Außerdem, ganz ehrlich, leuchtet mir gar nicht ein, dass man Schülern Dinge auf eine falsche Weise beibringen sollte mit dem Argument, das Richtige sei noch zu schwierig. Niemals Schülern etwas beibringen, was sie wieder umlernen müssen! Umlernen ist viel schwieriger als von Anfang an richtig lernen. Allerdings heißt das auch, dass es ein bisschen länger dauern kann, bis man reif für einen Auftritt vor Publikum ist. Aber was ist daran verkehrt? Das gilt ja für jede andere Tanzart auch, dass man erst die Basis ordentlich lernen muss, einen gewissen Grad an Können und Sicherheit erwerben muss, bevor man auftritt. Warum soll das für Tribal nicht so sein?

Aber in Deutschland sind immer noch so viele unwillig, zu lernen, was die Basis ihres Tanzes angeht, sogar nur herauszufinden, was denn ATS ist und warum es wichtig ist. Das ist erstaunlich... andererseits, da ja viele Tribal-Jungstars dies durchaus ernst nehmen und ATS lernen, habe ich auch wieder Hoffnung. Denn ich habe diese verbindende Kraft des Tanzes, auf ATS basierend, mehrmals erfahren: Auf dem Sparrenburgfest, mit meiner Gruppe, mit fremden Tänzerinnen auf Workshops, die ich vorher noch nie gesehen hatte - wir können zusammen tanzen, jawohl! Und es macht Spaß und bringt so viel Energie, wenn man mit anderen Frauen tanzen kann! Tribal verbindet - wenn man eben Tribaltänzerin ist!

Samstag, 24. Juli 2010

Auftritt in der Heimatstadt


Mein Tribalstamm trainiert viel. Letzten Monat erst verbrachten wir wieder in Wochenende in Dillenburg in Gabriellas Tanzoase, um an einem ATS-Intensiv-Workshop von Martha Saunders teilzunehmen. Am ersten Tag wurden Basics und Basis-Kombos gedrillt, immer wieder wichtig. Am zweiten Tag gab es Stoff für die fortgeschritteneren ATS-Tänzerinnen, mit Spezialitäten wie Camel Walk passes und Stealing the Lead. Es war warm am Wochenende aber mich hatte eine schlimme Sommergrippe erwischt. Am zweiten Tag konnte ich weitgehend nur vom Sofa aus zuschauen, machte dafür aber reichlich Notizen.

Bei all dem Training und dem Üben möchten wir dann aber auch mal tanzen und haben einige Auftritte in unserer Gegend geplant. In diesem Jahr waren wir ja schon dabei bei den großen Orient-Tanz-Veranstaltungen in Hannover, der World of Orient und dem Internationalen Tribal Festival. Am Freitag der vorigen Woche hatten wir den ersten Auftritt in unserer Heimatstadt. Das war ja auch alles ganz schön aber ich hatte eine anstrengende Arbeitswoche hinter mir, inklusive einem Video-Serien-Shooting am vorangegangenen Wochenende für meine Firma, und ich war total platt. Ich setzte mich erst mal hin, füllte die Bögen für die GEMA aus für die hiesige Universität, dann ab unter die Dusche und Nägel lackieren – ein guter Grund, um noch mal in Ruhe still zu sitzen und mich zu sammeln, bevor zwei meiner Tanzschwestern kommen, um sich bei mir fertig zu machen für den Auftritt am Abend. Dann fing ich schon mal mit meinem Make-Up an, denn das und die Frisur sind immer der schlimmste Teil der Auftrittsvorbereitungen für mich! Ich habe da weder genug Geduld noch Eitelkeit für...

Als ich mit meinem Make-Up fast fertig war, kam auch schon die erste Tanzschwester und schaute mir genau beim Herrichten der Haare zu, mit "Hamster" – das ist dieses künstliche Haarteil, wir machen unsere Haare immer noch so, wie Wendy es mir bei ihrem Haar-Workshop letztes Jahr gezeigt hat. Zwischenzeitlich traf auch die Dritte im Bunde mit ihrer Schwester ein und belegte mein Bad, um sich fertig zu machen, während wir zwei den Spiegel in meinem Schlafzimmer dazu nutzten. Drei Tribaltänzerinnen, die sich für einen Auftritt heraus putzen, brauchen eine Menge Platz!!!

Aber wir haben ja schon etwas Übung und brauchten nur eine gute Stunde. Wir trugen unsere neuen bunten Röcke und passenden Haarschmuck: Gelb, violett und hot pink. Dann packten wir uns alle in mein Auto und fuhren zur Uni, die zum Glück quasi bei mir um die Ecke liegt. Die Veranstaltung, Nacht der Klänge, hatte schon begonnen und etliche Besucher schauten schon, was es alles überall zu sehen gab. Wir holten uns erst mal an der zentralen Information unsere Anweisungen ab und fanden heraus, wo unsere Garderobe war. Umziehen mussten wir uns ja diesmal nicht, aber unsere Sachen einschließen wollten wir schon. Wir hatten auch an unsere Flyer gedacht, obwohl wir die noch extra wieder aus dem Auto holen mussten. Einige unserer Freunde waren auch schon da um uns zu sehen, Fotos zu machen und zu filmen. Es ist ja immer interessant, hinterher mal die Auftritte zu analysieren, zu sehen, welche kleinen und größeren Fehler wir so gemacht haben und was wir noch verbessern können.

Dann wurde es auch Zeit für die letzten Auftrittsvorbereitungen: Make-up-Check, ein bisschen Aufwärmen, die CD bereit halten, Zimbeln anstecken... Unsere Jüngste hatte diesen Auftritt organisiert und war für die Organisation verantwortlich und sie wurde immer nervöser, je näher der Moment kam. Ich merkte daran, dass ich schon so eine alte Häsin bin, die kaum noch richtig nervös ist und als es darum ging, uns spontan selbst anzumoderieren und dem Publikum kurz zu erklären, was wir machen werden, war ich mal wieder die Kandidatin dafür. Wir hatten aber einen Techniker vor Ort, der das Mikro und die Musik bediente und alles lief glatt. Wir konnten endlich tanzen! Wir hatten sehr viel Platz und genossen es! Nach unseren Auftritten als ATS-Duo in Hannover war es diesmal besonders schön, dass wir zu dritt tanzen und Dinge wie Fading und Dreier-Kombos einbauen konnten, und dem Publikum gefiel es auch. An einem heißen Tag ca. zwölf Minuten tanzen reicht völlig aber wenn es vorbei ist, kommt es uns immer so kurz vor. Was es im Vergleich zur Vorbereitung ja auch ist, aber über eine Stunde ohne Pause zu tanzen würde uns umbringen...

Nach unserem Auftritt wollten wir auch ein paar Fotos von uns machen lassen – aber nicht nur wir, sondern auch viele der Besucher! Anscheinend waren wir mit unserem prächtigen, farbigen Tribalkostümen eine Art Touristenattraktion, denn ziemlich viele Besucher wollten gerne mit uns fotografiert werden. Auch die hiesige Tageszeitung machte ein paar Fotos für ihre Online-Bildergalerie:

http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=5605419073140475504&postID=835175667656867366


Ich hatte mittlerweile richtig Hunger, musste da aber erst einmal freundlich lächelnd durch, bevor wir endlich mit unseren Freunden noch etwas trinken und ein Häppchen essen konnten. Und dann begann der entspannende Teil meines Wochenendes...

Donnerstag, 15. Juli 2010

3. Internationale Tribalfestival Hannover 2010


Wenn ich schon bloggen will, sollte ich es aktuell und relativ häufig tun, ja ja ... aber erst mein Rückenproblem, dann eine Sommergrippe (3 Wochen lang!) und wahnsinnig viel Arbeit... irgendwie dann zwischendurch noch mal Notebook auf und bloggen ... nee, war nich... Nun ja. Kürzlich wurde ich an meine Bestellung der Show-DVDs des 3. Internationalen Tribalfestivals in Hannover erinnert, welches bereits am 28. + 29. Mai statt fand. Und das war ein wichtiges Datum für meinen Stamm, weil eine Tanzschwester und ich das Show-Bühnen-Debüt unserer Gruppe Ma'Ansari hingelegt haben!

Daher jetzt doch ein Rückblick. Und eine kleine Anmerkung: Das "3. Internationale Tribalfestival", da gab es kein erstes und zweites, streng genommen, denn diese Vorgänger hießen noch "Norddeutsches Tribaltreffen" und laufen in der Tribal-Szene, zumindest hier in den nördlicheren Gefilden, immer noch unter dem Kürzel "NDTT". Nun, die Organisatorin hatte diese Veranstaltung in der Tat größer ausgelegt als die Vorgänger, in denen jeweils ein berühmter Gaststar – beide Male Ariellah – den Magneten spielte und es am Freitag abend eine "Open Stage" für Nachwuchs-Tribalgruppen und Tribal-Fusion-Tänzerinnen gab. Diesmal gab es eine Menge großer Namen: Sashi, die Gothic-Tribal-Fusion-Grand Dame (nun, sie ist eher klein), und die Gothic-Tänzerin Tempest, die streng genommen gar keinen Tribal irgendwelcher Art, auch kein Tribal Fusion, tanzt, waren die zuerst angekündigten Gaststars. Dann kam noch der New Yorker Tribal Fusion-Star Fayzah dazu und die italienischen Les Soeurs Tribales. Und die "Open Stage" wurde zur "Le Grand Tribal Opening Show". Dafür hatte ich meinen Stamm angemeldet, zunächst ohne mir so richtig klar zu machen, dass das nicht mehr die "Open Stage" war, sondern eine richtige Abend-Show. Nun denn, war auch in Ordnung. Blöd nur, dass wir am Ende doch wieder nur als Duo tanzen konnten, ist ja für ATS etwas wenig... Aber die eine unserer Tanzschwestern war gerade zum ersten Mal Mutter geworden und hatte für einen Tribal-Auftritt nun so gar keinen "Kopp", wie man so sagt. Und eine andere hatte einfach zu viel Arbeit, um genug zu trainieren vorher. So ein Bühnenauftritt, das will na nun mal vorbereitet sein. Wir hatten dann sowieso noch mehr als genug Trainingsausfall, weil mein Rücken ja eine Weile lang gar nicht mitgespielt hatte und während des Festivals hatte ich immer noch Schmerzen...

Die Anfahrt nach Hannover war schon nervig: Baustellen auf der A2, Ferienbeginn oder so was ... ich kam eine gute Stunde später bei meiner Tanzschwester an als verabredet. Zum Glück hatten wir aber massig Zeit eingeplant, um uns zu schminken, Frisur zu bauen (Wendy lässt grüßen) und uns anzuziehen. Auch für eine Bühnenprobe hatten wir lässig Zeit. Für mich ist das Schlimmste immer das Schminken, dann die Haare - und wenn das fertig ist, kann ich mal so langsam entspannen und durchatmen vor dem Auftritt... Da bin ich so konzentriert, dass ich nicht viel von den anderen beiden Tribalgruppen, mit denen wir die Garderobe geteilt hatten, mitbekommen hatte. Leider hatte ich aber auch keine Zeit für den Basar oder irgendeine der Vorstellungen des Tribal-Variétés im Tribal Café. Dann hieß es auch schon rauf und auf die Bühne – tanzen zwischen Galatea und Tempest, Fusion und Gothic. Sicher abwechslungsreich für die Zuschauer, aber auch irgendwie "gemein"... nun ja, da mussten wir durch. Ging auch alles gut und unser erster echter Bühnenauftritt brachte uns viel Lob. Jedenfalls habe ich wohl trotz gelegentlichen Rückenziepens bei allen Bewegungen, die irgendwie einen leichten Twist hatten (aua, da gibt es einige), gestrahlt wie die Sonne, wie man mir sagte. Und damit tapfer gegen einen der hartnäckigsten, aber trotzdem falschen, Mythen über Tribal angekämpft: Dass man dabei finster gucken müsse. Hinterher ist die erste Reaktion dann immer Erleichterung, und dann endlich den Rest der Show entspannt zugucken. Und dann schon die ersten Tribal-Freundinnen und Bekannten treffen.

Am Samstag gab es noch eine Show, insgesamt also an zwei Tagen soooo viele schöne Auftritte! Obwohl, insgesamt extrem Fusion-lastig. Die einzigen ATS/Tribal-Impro-Vertreterinnen waren Martha Saunders mit Nea's Tribal, Nea's Tribal allein - und wir, Richtig toll fand ich: Shir o Shakar - immer wieder schön und immer wieder neu, dabei sich selber treu, ich bin einfach ein Fan!; Fayzah – mit einer echt klasse Robocat-Nummer, die sicher auch meiner Katze gefallen hätte; Elena Sapega – der sterbende Schwan in avangardistischem weißen Kostüm, die neue Trendfarbe, wie es scheint; Patricia – auch in weiß und mit typisch gutem Auftritt; Duud Murmand – mal wieder eine Gypsy-Nummer, diesmal aber Burlesque-versetzt, temperamentvoll und komisch. Auch sehr schön: Perlatentia – gut, mit abwechslungsreichem Zimbelspiel; Les Soeurs Tribal – teils teils, großartig bis – äh, bissi überkandidelt; Fire mit toller Robo-Nummer; Mariam al Rashi – solider, schöner Tribal-Fusion; Martina Crowe. Die schräge Nummer: Ein Rokoko-Trio von Vox Alba, einem Off-Spin von Tribe Akasha - dass die eine davon mittendrin böse hingeknallt ist, hat der Nummer letzten Endes nicht sehr geschadet, und sie stand ja tapfer wieder auf... das Publikum hielt erschrocken den Atem an. Die Gaststars Sashi und Tempest haben mich leider gar nicht überzeugt. Und es gab auch die nicht immer ganz gelungenen Nummern, die für mich unter "orientalischer Tanz im Tribal-Fusion-Kostüm" fallen, Tribal-Gruppen in tollen Kostümen, aber ohne richige Tribal-Haltung ... nun ja, es war ein umfangreiches Programm mit vielen Eindrücken. Über diejenigen in unserem Set kann ich nichts berichten, die habe ich leider nicht sehen können...

Am zweiten Tag absolvierte ich am Vormittag den einzigen Workshop, für den ich mich diesmal angemeldet hatte – mehr hätte mein Rücken auch nicht zugelassen: Isarmas Muscle Guide Workshop war wirklich sehr interessant und erhellend, kann ich nur empfehlen! Bzw. werde ich bei nächster Gelegenheit mal in der Langfassung mitmachen!
Dann hatte ich endlich auch mal Zeit fürs Quatschen mit anderen Tribaletten, Shoppen im Bazar und das Tribal-Variété, wo sich auch viel Nachwuchs präsentierte: Da waren viel Jungstarlets dabei, also, au weia, ich hoffe nur, die bleiben gesund und tun sich nicht weh mit diesen halsbrecherischen Backbend-Versuchen und der Idee, dabei noch Rachel Brice übertreffen zu müssen!!!

Dann abends wieder Show und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen! Die Zeit war mal wieder viel zu kurz ... leider ... und zu Hause, bevor ich müde ins Bett fiel, bekam ich doch noch mit: Lena gewann den Eurovision Song Contest, der für mich immer noch Grand Prix heißt (Grand Prix de la Chanson d'Eurovision, bin halt ein älteres Semester) und das Sommermärchen konnte beginnen!

Sonntag, 20. Juni 2010

Tribal:Pura in Barcelona – Teil 3

Ein ganzer Monat ist vergangen, seit ich vom ersten Tag des Tribal:Pura in Barcelona Anfang Mai erzählen konnte. So viel ist in meinem Leben los gewesen - Freunde kamen zu Besuch, ich habe Freunde besucht, Beruf und Arbeit, Freunde treffen und meinen Haushalt in Schach halten, und Tanztraining, all' das hat mich vom Schreiben abgehalten. In der Zwischenzeit haben eine Tanzschwester und ich beim diesjährigen Internationalen Tribal Festival in Hannover getanzt, sehr aufregend. Dazu komme ich bald. Ich werde nur noch vorher den Tribal:Pura bevor die Erinnerungen noch mehr verblassen.
Ich war so in Barcelona verliebt, so viel dort herumgelaufen, dass meine Füße schmerzten - hart beim Workshop. Also ging ich es an meinem dritten Tag in Barcelona ruhiger an und ging im Café Els Quatre Gats, in dem schon Picasso und seine Künstlerfreunde dasselbe taten, einen Kaffee trinken und schrieb ein paar Postkarten nach Hause. Ich ging noch spazieren. Der Workshop meinte es an diesem Tag allerdings auch gut mit meinen Füßen. Diesmal gab es keine Probleme mit der Musikanlage und wir begannen mit den Indian Temple Stretches. Tatsächliches Tanztraining gab es zu Trios mit Führungswechseln und Fades. Besonders beim Faden lernte ich Neues, z. B. Faden mit Bodywave, Arabic von der Seite etc. Aber an diesem Tag wurde viel demonstriert und erklärt und wir schauten und hörten zu: Wie sich ein Trio und ein Quartett aufstellt, warum Position 3 oft die schwierigste ist - und dann sollten wir das ausprobieren.
Dann gab es natürlich noch das Chorus-Training: Wir bildeten Gruppen zu viert und mussten uns dann durcheinander im Chorus verteilen. Es ging darum, dass wir, wenn die vorhergehende Gruppe sich anschickte, wieder in den Chorus zu wechseln, sicher und selbstbewusst nach vorne gehen sollten, uns begrüßen, aufstellen, tanzen und dann wieder in den Chorus gehen. Carolena und Megha betonten besonders, dass im Chorus stehen wichtig ist - es ist keine Zeit, in der man nur darauf wartet, selbst vorne glänzen zu können, sondern für die Gruppe vorne einen schönen Rahmen zu geben. Schließlich möchten wir ja auch, dass die anderen für uns im Chorus arbeiten, wenn wir vorne sind. Es geht also immer um den Tribal-Spirit - Gruppengeist. Nichts für große Egos, die nicht so gerne im Team spielen.
Im letzten Teil des Workshops ging es um Kopfputz. Zwei Freiwillige waren gefragt. Carolena zeigte, wie man einen vollen Turban baut. Megha zeigte den halben Turban. Das war genau das, was Wendy Allen im November im Haar-Workshop gezeigt hatte. Megha hat das auch von ihr gelernt.
Ja, und dann war es auch schon vorbei... Meine Tribal-Bekannte und ihr Mann gingen noch in einem Restaurant in der Nähe zu Abend essen, dann war schon Zeit für den Abschied... An meinem letzten Tag in Barcelona regnete es. Mein Flug ging anderntags erst spät und ich hatte noch etwas Zeit für Besichtigungen. Meine Füße bekamen keine neuen Blasen dabei, aber meine Schuhe wurden nass. Aber das war es wert - ich bin sehr froh, dass ich dort war!

Donnerstag, 20. Mai 2010

Tribal:Pura in Barcelona – Teil 2



Mein Rücken fühlt sich gerade wieder besser an und ich berichte mal vom ersten Tag des Tribal:Pura. Da die Workshops immer erst um 15 Uhr begannen, blieb die erst Tageshälfte für Besichtigungen und ich machte mich auf zum Park Güell, Antonio Gaudis utopischem Projekt. Der ist in den Hügeln hoch über Barcelona und um dorthin zu gelangen, gibt es tatsächlich draußen Rolltreppen! Das habe ich auch noch nicht gesehen! I wanderte im ganzen Park mit seinen Wäldern und seinen Kunstwerken herum und ging dann in die Stadt, um vor den Workshops noch was zu essen. Dann schnappte ich mir meine Trainingssachen im Hotel, das ganz praktisch in der Nähe der Workshop-Räume lag.
Die Tribal:Pura Workshops fanden in einem sehr großen Tanzraum mit einer großen Anzahl ATS-Tänzerinnen statt. Ich schätze, es waren so 70 oder 80 Frauen aus ganz Europa. Meine Bekannte kam aus Luxenburg, wir machten die Movement-Drills mit einer Italienerin und die Führen-Folgen-Drills mit einer jungen Frau aus Norwegen. Die Frauen kamen aus Polen, England und sonstwoher aber die Mehrheit kam natürlich aus Spanien. Eigentlich mag ich solche Massen-Workshops gar nicht. Es ist nicht immer leicht, die Dozentinnen überhaupt gut zu sehen, es ist eng und es gibt keine persönlichen Korrekturen. Man muss halt zusehen, dass man das beste für sein Geld daraus zieht.
Der erste Teil des Workshops, die Temple Stretches, fielen Problemen mit der Musikanlage zum Opfer. Es gab eine gründliche Einführung in langsame und schnelle Basis-Elemente. Keine schwierigen ASWATs und Sahra Turns here, nur einfache Egyptians, ChooChoos, Taxeems, Reverse Turns und die tatsächlich schwierigen Torso Twists. Wir übten diese in Dreiergruppen und ich merkte, dass meine Besichtigungstouren durch Barcelona meine armen Füße strapaziert hatten. Ich hatte ein paar Blasen bekommen und meine Füße waren wirklich müde, so dass ich mich bei jeder Gelegenheit – längere Erklärungen oder Demonstrationen oder was Aufzuschreiben – hinsetzte. Nach einer der gelegentlichen Reihenwechsel war ich hinten und nutzte die Gelegenheit, etwas zu trinken, als ich Belly Dance Super Star Mitglied und Tribal Fusion-Tänzerin Samantha Emanuel (formerly Hasthorpe) dort entdeckte. Während des weiteren Verlaufs der Workshops assistierte sie Carolena und Megha oft mit Demonstrationen und die ganze Zeit über schaute sie aufmerksam zu, übte und schrieb mehr mit als ich. Als ich sie später fragte, was sie denn dort mache, meinte sie einfach – und auch ein bisschen stolz: "Carolena ist meine Lehrerin!" Also wieder einmal ein Beweis dafür, dass ATS auch für Tribal Fusion-Tänzerinnen die Wurzel ist.
Ganz heiß: Heute bekam ich die Info von Perlatentia, dass Samantha im September nach Hannover kommt und Workshops im Studio Movenyo gibt! Wen es interessiert: Augen auf und bei Perlatentia nachfragen! Für alle bei Facebook hier ein Link mit Info dazu:
http://www.facebook.com/event.php?eid=120469874650452&ref=ts

Einer der Workshops an diesem Tag drehte sich um Bühnenpräsenz. Carolena und Megha zeigten den Unterschied zwischen verhuschten und kraftvollen Aufgängen und wir übten kraftvolle Aufgänge in zwei sich gegenüberstehenden Reihen. Dreiergruppen kamen aus einer Reihe heraus und tanzten auf die andere zu, die sie anfeuerte, und als sie zurück tanzte, kam aus der gegenüberliegenden Reihe die nächste Dreiergruppe hervor. Mit so vielen Teilnehmenden dauerte die Übung natürlich eine ganze Weile, aber es machte auch Spaß! Meiner Meinung nach hätte auch der Bühnenabgang ein Thema sein sollen, denn verhuschte Abgänge machen einen guten Auftritt auch kaputt. Aber das war dann nicht mehr Thema...
Zum Schluss unterrichtete Carolena Bauchwellen und -flattern. Sie meinte, das sei schwierig zu unterrichten, weil sie es nicht für uns tun kann. Bei den anderen Elementen kann sie die Haltung, die Arme etc. korrigieren aber bei den Wellen und dem Flattern müssen wir den Dreh in uns selbst heraus bekommen. Bauchflattern ist für mich nicht schwierig, den Trick habe ich schon lange raus. Aber es ist immer gut, andere Herangehensweisen an eine Sache zu lernen. Schülerinnen, die ein Element nicht verstehen, begreifen es vielleicht, wenn sie es auf eine andere Weise erklärt bekommen. Carolena erklärte das Flattern über eine Art Schnüffeln und hob hervor, dass man währenddessen nicht mehr einatmen kann. Nach Anstrengungen und wenn man müde ist, kann das Flattern besonders schwer fallen.
Bauchwellen kann ich im Grunde auch in beide Richtungen, aber nicht annähernd auf so beeindruckende Art wie Carolena. Sie erklärte viel zu den Isolationen der Bauchmuskeln und zeigte uns ein Yoga Bandha, bei dem sie erst die rechte und dann die linke Seite des Bauches komplett einziehen konnte. Hmmmm, dazu bräuchte ich wohl ein paar Jahre Yoga-Praxis. Aber es zeigt wie so eininges andere eben, dass ATS eben viel gründliches und langfristiges Training benötigt.
Auf dem Weg zurück zum Hotel machten meine Bekannte und ich kurz halt an einem Sportstadium auf dem Weg. Dort schnappten wir uns Karten für eine echte Flamenco-Show, nicht so was Aufgesetztes für Touristen. Die Show war eine Kreation von Carlos Saura, dem spanischen Regisseur, der Filme und Shows wie Die Bluthochzeit, Carmen, Iberia und noch weitere gemacht hat. Diese Show hieß "Hoy! Flamenco" und war fantastisch mit Gesang, Tanz mit klassischem und modern-kreativen Einschlägen, verschiedenen Settings – wirklich klasse! Das spanische Publikum war ebenfalls vollends begeistert und es war spannend zu erkennen, welch deutlichen Einfluss Flamenco auf ATS hatte. Ich hätte alles allerdings noch viel mehr genießen können, wenn ich nicht so hundemüde von zwei Tagen Barcelona und einem halben Tag ATS tanzen gewesen wäre...

Freitag, 14. Mai 2010

Tribal:Pura Barcelona - Teil 1

Zur Zeit plagt mich arg ein verspannter Rückenmuskel auf schmerzhafte Weise, so dass ich mich nicht viel bewegen kann – tanzen leider schon mal gar nicht, obwohl ich das dringend müsste angesichts der baldigen Auftritts meines Stamms auf dem Hannoveraner Tribal Festival Ende des Monats! Aber im Moment kann ich mich kaum bewegen und habe daher Zeit, mal wieder über ein verrücktes Wochenende zu schreiben. Vor ein paar Wochen hatte ich spontan beschlossen, nach Barcelona zu fliegen und endlich mein ATS Idol Caronlena Nericcio live und in Farbe zu sehen! Ich wollte auch immer schon mal nach Barcelona und nun konnte ich dazu auch noch Carolena haben, also nix wie hin! Ich gönnte mir einen kleinen Kurzurlaub .... Carolena und Assistentin Megha Gavin unterrichteten am 1. und 2. Mai ein zwei Tage dauerndes Event namens Tribal:Pura, in dem es um ATS Basics, Bühnenpräsenz, Folgen und Führen, Kopfputz etc. ging. Ich flog schon am Donnerstag vorher los, um einen Tag in Barcelona für mich zu haben und eine von den Tribal:Pura-Organisatorinnen, dem Stamm Mandragora und seiner Leiterin Maria Rosa, veranstaltete kleine Messe und Abendshow vor den Workshops zu besuchen. Glücklicherweise gab es mit der Reise nach der Vulkanasche aus Island keine Probleme, außer dass ich mein für den Flug bestelltes Essen nicht bekam... Das Wetter war viel besser als vorhergesagt und nach meiner Ankunft kaufte ich erst mal ein 5-Tages-Barcelola-Ticket für den Nahverkehr und schaffte dann nur noch ein vegetarisches Abendessen. Dieses Barcelona-Ticket in der Metra zu nutzen kann für Rechtshänder etwas schwierig werden: Immer schön gucken wohin die Pfeile an den Ticket-Automaten zeigen! An manchen Stationen muss diese Karte nämlich auf der linken Seite eingeführt werden, um die Sperre zu öffnen. Wenn man die Karte automatisch immer rechts eingibt, kommt es vor, dass man für jemand anders die Sperre öffnet, während man dann selbst Hilfe benötigt oder es von einem anderen Eingang aus noch mal versuchen muss. Hat ein Weilchen gebraucht, bis ich das raus hatte, aber ich sah noch ein paar andere Touristen, die in diese Falle tappten...
An meinem ersten Tag in Barcelona genoss ich richtig die Sonne und wanderte erst mal die Haupt-Flanierstraßen und die Rambla runter zum Meer, um die Atmosphäre der Stadt zu tanken. Natürlich ging ich dabei erst mal in die falsche Richtung, als ich aus der Metro kam, aber das war ganz gut, denn ich fand dort die Barcelona-Filiale des Tanzgeschäfts Menkes. Das ist ein ganz entzückender Laden mit ganz viel Flamenco-Zeugs, fantastischen Mantones aus Seide (kosten ein Vermögen) und eine Ecke mit total verrückten Riesen-Plateauschuhen, wie sie Elton John und Gary Glitter in den Siebzigern trugen! Leider durfte man dort aber nicht fotografieren...
Zurück auf meinem Weg auf der Rambla kaufte ich im Bocqueria-Markt eine Packung Obst und war neidisch, so einen Markt nicht hier in der Nähe zu haben: Frische Früchte und Gemüse, Fisch, exotische Schokolade... überwältigend!
Dann weiter die Rambla runter, ein wenig an den Kunstmarktständen shoppen und dann Obst-Lunch am Meer! Danach machte ich mich auf in Richtung Tribal-Messe, mit einem Stopp an der La Sagrada Familia, Gaudis Kathedrale. Das ist ein absolut faszinierender Bau, ein wenig getrübt durch die Baugerüste und Kräne überall. Ich ging einmal ganz herum, stellte mich aber nicht in die kilometerlange Schlange, um rein zu gehen. Es war so ein schöner Tag und nach diesem harten Winter war ich ganz sonnenhungrig! Ich ging die Avinguda Gaudi hoch zu einem anderen Jugendstil-Gebäude von einem Gaudi-Zeitgenossen und machte unterwegs in der ein oder anderen Boutique halt. Mein Gehalt für den kommenden Monat ist quasi schon in Barcelona...
Dann fand ich den Ort für die Tribal-Show und -Messe in einer Gegend abseits aller touristischen Ziele. Es war eine wirklich sehr kleine Messe aber ich gab trotzdem etwas Geld für Lederblumen und eine Helm-CD aus, die ich noch nicht in meiner Sammlung hatte. Die Ankündigung hatte eigentlich versprochen, dass dort auch ein Restaurant wäre und die Gelegenheit, etwas zu essen, doch dem war nicht so. Da ich nun schon sehr hungrig war, suchte ich draußen und fand eine kleine Cevezeria. Wie gesagt, war dies eine garantiert touristenfreie Zone und die Leute waren sehr erstaunt, jemanden dort zu haben, der kein Katalanisch sprach! Mit etwas Unterstützung eines Gastes, indem wir unser Englisch und Französisch zusammen warfen, und etwas Zeichensprache bestellte ich ein Käse-Sandwich und ein Bier und alle hatten viel Spaß.
Zurück auf der Tribal-Messe. Dort gab es vor der Gala-Show noch eine Reihe Auftritte von Schülergruppen und Nachwuchs-Tribal-Fusionetten, die leider wenig Publikum hatten. Eine meiner Tribal-Bekannten war auch dort und wollte auch gerne tanzen, aber leider wollte die Anlage ihre CD absolut nicht abspielen und sie hatte sich ganz umsonst in ihre Tribal-Aufmachung geschmissen.
Das kleine Theater füllte sich allmählich für die richtige Show, die um 22 Uhr begann – spät für deutsche Verhältnisse aber es war eben Spanien! Sie bot einen Überblick über die nordspanische Tribalszene, in der auch niemand echten FCBD-ATS tanzt. Endlich kamen Carolena und Megha auf die Bühne und tanzten ein ATS-Duett und ich saß ganz vorne und war glücklich, sie mal aus der Nähe zu sehen! Leider tanzten sie nicht lange und wurden von Mandragora als Chorus unterstützt. Carolena und Megha führten dann diesen Chorus an und die Mandragoras übernahmen die Bühne.
Als Carolena und Megha noch mal nach vorne zu einem Duett kamen, dachte ich, ich mache mal, was alle machen - filmen! In Spanien versucht man anscheinend gar nicht erst, das zu unterbinden, scheint da viel anarchischer zu sein...

Hier sind Carolena und Megha in der Barcelona-Show: http://www.youtube.com/watch?v=2UlJEyTRj5o

Jedoch, als die beiden tanzten, stürmten plötzlich die Hälfte der Frauen im Publikum auf die Bühne! Ich war ziemlich überrascht und Carolena und Megha schienen sich auch zu fragen, was da vor sich ging. Ihre Gesichter versteinerten sich etwas und sie machten erst mal unbeirrt weiter, während lauter Frauen um sie herum rannten. Ich fand das schon sehr merkwürdig, schließlich waren sie die Gaststars des Abends. Anscheinend hatte die Organisatorin das Signal für das Finale gegeben ... leider zu früh! Und was für ein Publikum stürmt schon die Bühne, statt Carolena und Megha zuzusehen???? Verstehe ich immer noch nicht...

Und während die Mandragoras wieder mal ihr eigenes Format tanzten, dachte ich mir, dass ich von denen an dem Tag eigentlich schon genug gesehen hatte und dass ich gerne mehr von Megha und Carolena gesehen hätte. Zeit also, sich auf den Workshop am folgenden Tag zu freuen...
Mein Rücken streikt jetzt und ich muss mal Pause machen. Aber ich werde bald zurück sein und vom Tribal:Pura erzählen!

Montag, 26. April 2010

Muskeln und Isolationen

Endlich ist der Frühling angekommen! Nach diesem ewig langen Winter und den Versuchen einiger Leute und Institutionen, ihn herbei zu reden... Eine dieser Institutionen ist meine Tageszeitung. Die startete vor einer Weile eine Serie zu Gesundheitstipps, um sich für Frühling und Sommer in Form zu bringen. Verschiedene Reporter nahmen an diversen Kursen teil, z. B. Yoga, Pilates, Nordic Walking, Body Pump ... ja, und auch ein Tanzkurs war dabeil. Der betreffende Reporter nahm an einer Tanzstunde für Standardtänze teil und stellte hinterher fest, dass er von einigen seiner verkaterten Muskeln gar nicht wusste, dass er sie hatte...

Nun ja, Tanzen ist halt nicht nur Rumhüpfen und ein bisschen wackeln. Es macht in erster Linie Spaß, sich zu Musik zu bewegen und darüber vergessen viele Leute, dass sie dazu Kondition brauchen, um es länger durchzuhalten. Wenn sie ernsthaft und richtig tanzen wollen, brauchen sie dazu Muskeln. Und wenn sie irgendeine Art Bauchtanz machen wollen, auch Tribal, dann müssen sie lernen, ihre Muskeln isoliert einzusetzen.

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie schwierig ich mich mit einigen der Bauchtanzbewegungen am Anfang tat. Als ich anfing, war ich schon in meinen Dreißigern. Ich war immer irgendwie sportlich aktiv, mit Fitness, Reiten etc. Aber Bauchtanz war seinerzeit eine ganz andere Art der Herausforderung. Brustkreise waren ein echtes Mysterium. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie ich die Muskeln als Motor dafür finden sollte. Schulterschimmies fand ich noch schwieriger – ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass ich das mal im schnellen Tempo können könnte. Und dabei mit nix anderem wackeln dabei, die Hüften still halten oder etwas anderes machen lassen schien mir damals unmöglich. Es ist eben nicht einfach bei einer Arbeit, bei der man hauptsächlich sitzt, liest und schreibt... Aber ich gab nicht auf. Ich fand die Muskeln und sie dazu zu bringen, isoliert zu arbeiten brachte mir Muskelkater ein. Aber irgendwann war es dann okay und konnte bei meinen Schülerinnen den gleichen Prozess beobachten. Und es war dann sehr schön, die Tribal-Schulterschimmie-Triplets quasi sofort zu können, Jahre später. All dieses Ausprobieren, arbeiten und das Gefühl für die eigene Muskelarbeit zu entwickeln hatte sich bezahlt gemacht!

Beim ATS ist das durchgängige Einhalten der Haltung die größte Herausforderung, wie ich ja schon so oft geschrieben habe. Richtig isolierte Hüft- und Brustarbeit wird dadurch wunderbar sichtbar - wenn auch die Haltung stimmt. Und ja, das ist Arbeit für die Muskeln! Also fit in den Frühling!

Freitag, 2. April 2010

World of Orient, Hannover 2010




Die Zeit um die diesjährige World of Orient in Hannover was so hektisch und voll, dass ich noch nicht dazu gekommen bin, darüber zu schreiben. Und dann kamen noch aktuellere und frischere Erlebnisse dazwischen wie unser Gruppen-Coaching mit Martha. Aber die World of Orient was soooo voller Eindrücke, dass ich doch noch davon erzählen muss!

Ich war schon am Freitag abend dort, um Jillinas Bellydance Evolution Show zu sehen. Ich blieb zwei Nächte in Hannover und hatte entsprechend viel zu packen: Zwei ATS Workshops mit Martha Saunders, ein Auftritt im Rahmenprogramm mit einer Stammesschwester... I nahm mir am Freitag noch frei, um alles eingepackt zu bekommen, dann holte ich eine andere Tanzschwester ab, die auch zur Show wollte und zu unserem Auftritt, aber wegen ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft konnte sie nicht mittanzen, leider...

Wir kamen sehr früh zur Show und hatten noch Zeit, etwas essen zu gehen. Vor der Show traf ich noch viele meiner Oldenburger Tanzfreundinnen und noch ein paar Tribalfreundinnen. Dann ging die Show los. Jillinas Show war wirklich etwas ganz Neues, da die Tänze eine Geschichte erzählen sollten - eine wilde Romanze mit bunt gemischten Charakteren aus der griechischen und nordischen Mythologie (Medusa und Loki als Liebespaar?). Um ehrlich zu sein, half mir das Programm mit einem Einführungstext zur Show doch sehr, den Sinn der Geschichte zu entziffern, als ich das Blatt in der Pause fand und las. Aber egal - es war eine tolle professionelle Show mit exzellenten Tanzeinlagen, Sharon Kihara als Tribal-Orakelpriesterin und männlichen Tänzerin, die eine Art russischen Hip Hop zum Trommelsolo tanzten. Das einzige, was mich störte, war das erste Kostüm von Jillina, eine transparente Geschichte, übersät mit Strass und Pailletten, dass einen ständig mit der Frage beschäftigte, ob sie nun noch etwas darunter trug oder nicht... und das in einem Maße, das total von ihrem Tanz ablenkte. Ich frage mich dann immer, warum solche Extraklasse-Tänzerinnen das nun nötig zu haben glauben. Aber wie ich am nächsten Abend sehen sollte, scheint diese Art Bekleidung gerade wieder mal im Trend zu liegen...

Danach stellte ich bei meiner Tanzschwester zu meinem Schrecken fest, dass ich meinen Kulturbeutel vergessen hatte. Naja, an sich ist sowas ja keine Katastrophe, da jeder Haushalt über Seife und Shampoo verfügt und es überall Zahnbürsten zu kaufen gibt... Aber ich hatte meine Kontaktlinsen in meinen Kulturbeutel gepackt... ich bin kurzsichtig und trage normalerweise eine Brille. Bei Auftritten nehme ich aber Tages-Kontaktlinsen, da Brillen ein Tribal-Outfit nicht verschönern, aber guter Sichtkontakt mit den Tanzpartnerinnen die beim ATS absolut notwendige Kommunikation doch sehr fördert. Zurück nach Bielefeld, das war nicht mehr drin. Also ließ ich ausnahmsweise das Paar, das ich trug, über Nacht an und es ging zum Glück alles gut...

Am folgenden Samstag morgen standen wir früh auf, weil wir ja unseren Auftritt im Rahmenprogramm um Mittag herum hatten. Wir frühstückten und machten schon Mal die Haare und das Make-up fertig, damit wir dazu genug Platz und Ruhe hatten und es uns vor dem Auftritt nicht nervös machen würde. Wir kamen sehr pünktlich an, legten noch unsere Karte auf dem Infotisch aus und gingen in die Garderobe, um uns fertig zu machen. Unsere schwangere Tanzschwester half noch, uns fertig zu machen und wir sahen recht ansprechend aus. Für meine Tanzpartnerin stand also das Bühnendebüt bevor und sie hatte sich darauf gefreut. Wir hatten auch fleißig geübt. Aber fünf Minuten vor dem Auftritt bekam sie doch noch mal richtig Herzflattern. Zum Glück beruhigte sie sich aber rechtzeitig wieder. Wir hatten ein dynamisches Stück gewählt, mit Bollywood-Touch und langsamen Passagen - nicht ganz einfach zu tanzen. Also, wir gingen raus and ich sah gleich ein paar Tribalfreundinnen direkt am Bühnenrand, die mir später auch Fotos schickten. Unsere hilfreiche Tanzschwester war auch im Publikum, um unseren Auftritt auf Video aufzunehmen, aber sie kam nicht mehr an die Bühne heran. Nun, wir tanzten und es ging so schnell vorbei! Es war dann zwar kein perfekter Auftritt, aber es war okay und wir bekamen viel Beifall und ermutigendes Feedback, also bin ich froh, dass wir diese Erfahrung gesammelt haben.

Danach konnten wir etwas abkühlen, uns auf der Messe umsehen, Kaffee trinken und etwas essen und ich traf sehr viele alte und neue Tanzfreundinnen. Natürlich statteten wir auch Shailas Stand einen längeren Besuch ab, mit all dem tollen Tribalschmuck und so. Ich hatte schon die neue FatChance-DVD zu Floowork und die Arabesque II Zimbeln von Saroyan in silber vorbestellt. Aber ich fand auch noch zwei schöne Anhänger, die einfach mit mussten...

Nachmittags ging es dann zu dem Studio, in dem Marthas ATS Workshop für Anfänger statt fand. Eigentlich bin ich wohl keine ATS-Anfängerin mehr aber ich finde immer noch ein paar Kleinigkeiten zur Verfeinerung und ich möchte halt gerne jede Gelegenheit nutzen, um von richtig guten ATS-Lehrerinnen zu lernen, so viel und oft ich kann. Diesmal war auch unsere vierte Tanzschwester dabei. Danach eine Dusche und etwas zu Essen und dann ab zur World of Orient Gala Show. Diese hatte das normale Show-Format mit Auftritten von zur Zeit angesagten nationalen und internationalen Stars. Wie ich schon erwähnte, gibt es ja einen Trend zu extrem hochgeschlitzten und sonstwie knappen Kostümen ... dem kann ich nicht viel abgewinnen. Ich bin Tribaltänzerin, und keine Art von Tribal zielt auf die Sexiness der Tänzerin. Aber ich bin der Meinung, auch orientalische Tänzerinnen können sehr wohl mit ihrem Tanz ihre Stärke und Kraft als Frau und ihre Kontrolle über ihr Leben und ihre Sexualität unterstreichen und nicht nur ihre Sexiness. Aber nicht mit solchen Kostümen, die lediglich die schlanken, fitnessgestählten Körper betonen und den aktuell vorherrschenden Schlankheits- und Schönheitswahn bedienen. Was etwas rundere Tänzerinnen nicht davon abhielt, sich ebenfalls solcher Kostüme zu bedienen - nur, das machte die Sache ja nicht besser. Ich möchte sehr gerne guten Tanz
sehen und tja, da gibt es Dinge, die ich dabei nicht sehen möchte... Genug dazu.
Das Programm war erfreulich abwechslungsreich mit Folklore, dynamsichen und gefühlvollen Raqs Sharqi-Nummern - besonders von Djamila, den Asmana Dancers, Jillina ... Eine besondere Entdeckung war für mich das MUSE Ensemble mit einem klasse und innovativen Auftritt mit Live-Geige und modernem Fusion-Ansatz. Als Tribal-Fan genoss ich natürlich besonders die Autritte von Sharon Kihara, Kaeshi, Perlatentia und natürlich Martha und Nea's Tribal sowie Nea's Tribal alleine. Martha sah wieder majestätisch aus in ihrem schwarzen Tribal-Kostüm. Die Nea's beeindruckten mit einem Tribal-Trommelsolo und etlichen neuen, kniffligen Kombos. Cool! Ich war weniger beeindruckt von der legendären Josephine Wise und den männlichen Bauchtänzern. Was letztere angeht, hmmm, naja, es gibt einige, die tanzen schon ganz nett... Mir fiel allerdings angenehm auf, dass das weibliche Publikum sich bei ihren Auftritten nicht mehr aufführt als ob die Chippendales höchstselbst die Bühne betreten hätten... eine begrüßenswerte Entwicklung! Es war ein langer Tag und wir fielen am Ende todmüde ins Bett...

Der Sonntag began mit einem weiteren ATS Workshop von Martha, für Mittelstufe. An dem nahm der deutsche Tribal Fusion Star Patricia von Perlatentia teil. Na, wenn Leute wie sie es nun endlich auch mal der Mühe wert finden, einen ATS-Workshop - ich meine, echten, richtig guten ATS - zu besuchen, dann habe ich Hoffnung, dass ATS doch noch mal Trend wird hierzulande. Für uns war dieser Workshop sozusagen die Vorspeise für unser Gruppen-Coaching mit Martha zwei Wochen später, über das ich ja schon geschrieben habe. Der Rest des Sonntags diente der Erholung, auf der Messe stöbern und das Rahmenprogramm genießen. Eine Tribalfreundin trat noch mit einer Partnerin aus ihrer Gruppe auf und ich bot ihr an, den Auftritt aufzunehmen. Ich hatte vor, das mit meiner Kamera zu machen aber sie gab mir ihre und zeigte mir auch, wie man sie bedient. Naja, wenn ich doch mal meine genommen hätte, denn die kenne ich ... Wir hatten schon früh einen guten Platz direkt vor der Bühne ergattert, mit perfekter Sicht. Jedoch kriegte ich die Kamera dann einfach nicht ans Rennen... wie wir später heraus fanden, war sie irgendwie auf Fotografieren verstellt... Das tat mir so leid... Sie sahen so schön aus und ihr Tanz war so ansprechend, ein ganz anderer Stil als unser eigener. Nun, ein netter Mensch direkt hinter uns filmte sie für uns uns wollte uns die Aufnahme zukommen lassen. Leider habe ich bisher noch nichts von ihm gehört, aber ich hoffe noch...

Wir shoppten dann noch ein wenig, ich fand Fransen, die ich schon in Duisburg bei Leyla Jouvanas Festival vergangenen November haben wollte, aber dann doch vergessen hatte, zu kaufen. Meine Tanzschwester kaufte sich nach einigem Hin und Her dann doch einen prachtvollen gelben Rock, in den sie sich sofort total verliebt hatte. Die Verkäuferin von Monas fliegendem Basar sagte uns noch, dass sie diese Röcke in Indien anfertigen lassen, auf Bestellung auch in anderen Farben und Längen. Nun, wir anderen haben jetzt auch schon solche Röcke bestellt... Und dann endlich wieder mal nach Hause, nach gefühlter Woche Ferien mit so vielen neuen Eindrücken, so vielen Wiedersehen mit Freunden und so viel Spaß!

Montag, 29. März 2010

ATS Coaching mit Martha


Wow, ich habe wieder mal eins dieser verrückten Wochenenden gehabt! Ich meine, nach einer prall gefüllten Arbeitswoche habe ich nichts anderes zu tun als dann noch ein intensives ATS Coaching mit Martha Saunders, seit 8 Jahren Schülerin und Tänzerin bei FatChanceBellyDance, für meinen Stamm Ma'Ansari zu organisieren! Ein erholsames Wochenende war das also nicht!

Ich traf Martha vor anderthalb Jahren, als ich zum ersten Mal einen Workshop von Wendy Allen / FCBD besuchte. Martha war als Wendys Tanzassistentin dabei und ich war nachhaltig beeindruckt von ihrer durchweg königlichen Haltung und der majestätischen Aura, die von ihr ausging, auch, wenn die Aufmerksamkeit mal nicht auf sie gerichtet war. Sie blieb stets in der ATS Haltung und war der lebende Beweis dafür, dass eben diese Haltung Kern und Herz des ATS Tribal-Tanzes ist.

Wir hatten schon damals die Idee, dass Martha mal zu uns kommt und und unterrichtet, und nun war die Zeit gekommen. In der Zwischenzeit war Martha Mutter eines sehr süßen Babys, Otto, geworden. Da sie gerade allein erziehende Mami ist, musste sie Otto natürlich mitbringen. Sie war über das Wochenende mein Gast und da wir am Samstag morgen um 11 Uhr mit dem Coaching anfingen, mussten wir früh aufstehen, damit auch Otto noch gut versorgt werden konnte ... und wie ich ja schon erwähnte, bin ich von Natur aus alles andere als eine Frühaufsteherin...

Wir trafen uns alle im Trainingsraum des Wochenendes, den eine Stammesschwester organisiert hatte und wir hatten Kaffee, Obst und Snacks zur Stärkung dabei. Martha arbeitete mit uns an unserer Haltung und korrekten Hand-Floreos, bevor sie mit uns die langsamen ATS-Elemente durchging. Da sind sooo viele wichtige Details zu beachten, um diese Elemente wirklich eindrucksvoll, dramatisch und kraftvoll zu tanzen! Wir gingen damit weiter in Duette und sogar die "Duelling Duets" – wow, da gibt viel zu tun für uns: Von der Haltung über die richtige Ausführung der Elemente bis hin zur andauernden Dynamik der Duelling Duets mit Passes, Positionswechseln und dem Ein- und Ausleiten der Duelling Duets ... dazu müssen die Tänzerinnen ständig aufmerksam miteinander kommunizieren, was viel Spaß macht - den Tänzerinnen und dem Publikum!

Dann ging es mit den schnellen Elementen weiter und wir arbeiteten mit komplexen Combos wie dem berühmt-berüchtigten A-SWAT (Arabic Shimmy with Arms and Turns - siehe Foto), mit dem es auch ins Faden und in den Kreis geht. So schön und dynamisch und dabei sehr anspruchsvoll ... Und da ich gerade das Faden ansprach: Da gibt es auch ein paar Regeln, die wir noch nicht kannten, und ein paar richtig nette Dinge, die man mit Faden machen kann. Wir hatten eine Wunschliste mit Elementen, die wir genauer anschauen wollten und zu denen wir Fragen hatten oder die noch nicht detailliert in den von uns besuchten Workshops unterrichtet worden waren, wie z. B. der Up-Up-Down-Down-Down und einige Elemente der Arabic- und Pivot-Bump-Familie. Die übten wir unter Marthas Anleitung.

Natürlich mussten wir in der ganzen Zeit unsere Haltung durchhalten (bzw. es zumindest versuchen) und nach vier Stunden machten sich unsere müden Muskeln bemerkbar und uns schwirrten die Köpfe. Wir erholten uns dann alle kurz zu Hause und machten uns frisch, bevor wir uns und Martha mit einem leckeren Abendessen in einem gemütlichen hiesigen arabischen Restaurant belohnten.

Am nächsten Tag hieß es wieder früh aufstehen für die zweite Runde unseres ATS Coachings. Wir fühlten uns alle ein bisschen älter mit unserem Muskelkater ... aber wir hatten es ja so gewollt! Wir wiederholten unsere langsamen Elemente und achteten diesmal besonders darauf, die Elemente im Fluss zu tanzen und den Torso Twist korrekt mit angehobener Brust auszuführen. Wir gingen noch mal das Konzept der Duelling Duets durch und erarbeiteten weitere schnelle Elemente. Martha zeigte uns, wie wir am besten die Calibrated Spins üben und wie wir sie bei Fades einsetzen können – das werden wir uns besonders merken, weil wir uns im Anschluss an die diesjährige World of Orient in Hannover ganz tolle Röcke bestellt haben, mit denen wir bei diesen Combos angeben können! Ach ja, zur World of Orient habe ich noch jede Menge zu erzählen und da ich gerade Urlaub habe, finde ich hoffentlich auch die Zeit dazu!

Zuletzt übten wir noch verschiedene Möglichkeiten von Passes mit schnellen und langsamen Bewegungen, und wie man damit im Kreis arbeiten kann. Wir lernten, wie man langsame Elemente wie den Propeller, Corkscrew und Barrel Turn im Kreis einsetzen kann und wir bekamen das Konzept des Passing durch den Kreis gezeigt. Dabei kann man die Führung wechseln oder sogar sowohl Führung als auch den "Performance Angle", die Ausrichtung der Tänzerinnen auf der Tanzfläche. Letzteres ist besonders dann schön, wenn die Tänzerinnen das Publikum nicht direkt vor sich haben, sondern im Halbkreis oder ganz um sich herum.

Am Ende waren wir ziemlich erschöpft von unserem Bemühen um die ATS-Haltung und unsere Köpfe rauchten noch gewaltiger von all den tollen Möglichkeiten, die man mit ATS beim Tanzen hat! Wir haben auf jeden Fall jede Menge Inspiration für unser Training und einige Nüsse zu knacken (Faden mit dem Sunanda - nun, das wird eine Herausforderung...).

Jetzt bin ich wirklich froh, mich durch dieses Wochenende gearbeitet zu haben und bin wirklich dankbar dafür, dass ich Tribalschwestern gefunden habe, die genau so begeistert von dieser Tanzform sind wie ich! Wie Martha mir sagte, gibt es auch unter den FCBD-Schülerinnen viele, die nicht lange dabei bleiben, weil es ihnen zu lange dauert, bis die Elemente, Combos und Konzepte so richtig sitzen - denn das dauert, bis man das richtig kann! Viele Tänzer und Tänzerinnen haben nicht die Geduld und das Durchhaltevermögen, um so lange mit diesen Elementen zu arbeiten und daher bin ich wirklich froh dass ich Freundinnen gefunden haben, die diesen Tanz mit mir weiter erkunden.

Und natürlich kann ich jeder Tribaltänzerin in Deutschland, die Interesse an erstklassigem ATS Unterricht aus erster Hand einer FCBD-Tänzerin hat, empfehlen: Martha buchen! Sie ist in Deutschland aktiv und steht für Privatunterricht und Workshops zu Verfügung! (Sie hat noch keine offizielle Website aber wenn Ihr Interesse habt, fragt mich ruhig!)

Nachdem ich Martha und Baby Otto, der wirklich die ganze Zeit lieb und geduldig war, während wir uns anstrengten und tanzten, zum Zug gebracht hatte, nahm ich ein entspannendes Bad und besuchte dann eine Orientalische Tanzgala, die von der besten Profi-Tänzerin unserer Gegend, Verazahd, veranstaltet wurde. In der Show gab es keinen Tribal und kein Tribal Fusion, dafür aber einige wunderschöne orientalische Fantasy-Nummern und viel erdigen klassischen Raks Sharqi und Folklore-Tänze. Verazahd hatte mir angeboten, meine orientalischen Kostüme und Zubehör über den der Show angeschlossenen Second-Hand-Bazar verkaufen zu lassen und einige meiner Sachen wurden verkauft. Ich gab das Geld gleich wieder für einen schweren marokkanischen Tribal-Kopfschmuck aus, den eine andere Tänzerin verkaufte ... mein viertes oder fünftes Teil dieser Art, naja... Es war ein passender schöner Abschluss dieses Tanz-Wochenendes mit dem Wissen, dass ich ja am nächsten Morgen ausschlafen kann und Urlaub habe! Und ich freue mich schon aufs nächste ATS-Training diese Woche!

Dienstag, 9. März 2010

Tanzen macht glücklich



... und kann sogar dein Leben verändern. Das jedenfalls ist die Lebenserkenntnis von Royston Maldoom, der genau das in seinem Film "Rhythm is It!" gezeigt hat. Leider habe ich den noch nicht gesehen, denn wenn ich mal Zeit habe fürs Kino, dann läuft entweder nichts, das mich reizt, oder aber so viel Interessantes, dass ich es nicht schaffe, alle Filme zu sehen, solange sie laufen. Sei's drum. Heute morgen las ich in der Zeitung, dass morgen Royston Maldooms Biografie in Deutschland heraus kommt. Dazu gab es einen kurzen Artikel, in dem auch erwähnt wurde, dass Tanzen glücklich macht und das Leben verändern kann. Das Buch ist schon auf meiner Leseliste:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3100473906/ref=ord_cart_shr?_encoding=UTF8&m=A3JWKAKR8XB7XF

Starker Tobak, dieses Verändern eines Lebens. Was das glücklich machen angeht, das stimmt natürlich. Wenn ich auf die letzten Wochen zurück blicke, da hatte ich extrem viel um die Ohren, einige Lebensbereiche machten Sorgen, die Arbeit. Ich war auch viel unterwegs und hatte keine Zeit, zu schreiben. Was das Tanzen betrifft, so steht bei uns Training zwei Mal pro Woche auf dem Plan, um mich mit einer Tanzschwester für unseren Auftritt im Rahmenprogramm der diesjährigen World of Orient in Hannover vorzubereiten. Wie mein Chef immer zu sagen pflegt: "Weihnachten kommt immer so plötzlich," und das gilt wohl auch für Auftritte. Bei der Planung und Zusage sind sie noch Lichtjahre in der Zukunft, und auf einmal stehen sie unmittelbar bevor. Und dann stellen wir fest: Eine von uns ist schwanger und mit den Nebenwirkungen und Vorbereitungen vollauf beschäftigt, und unser Neuzugang wird seit einiger Zeit so heftig mit Aufträgen überhäuft, dass sie es nur einmal pro Woche zum Training schafft. Das reicht aber momentan noch nicht für einen Bühnenauftritt und so mussten wir umkonzipieren von ATS Gruppenimprovisation auf ATS Power Duet. Mit der verbliebenen Tanzschwester hatte ich das noch nicht so intensiv geübt und es brauchte ein Weilchen, bis wir synchron und aufeinander eingestellt waren und die Kommunikation, z. B. darüber, wer nun führt, gut klappte. Zunächst verursachte mir das den berühmten Stress: Zu wenig Zeit zum Üben und Vorbereiten, zum Konzentrieren, zu viel auf einmal los, lange arbeiten, schnell nach Hause und etwas zu Essen fassen und die Tanzklamotten auch, bevor zum Training gehetzt wurde... Und dann das Wunder: Wir wärmten uns auf und ließen dabei den Tag und seinen Ärger los. Wir machen die Musik an und der Tanz nimmt uns in Besitz. Wir werden synchron und es macht soooo viel Spaß! Und zack! ist die Zeit herum! Wir gehen glücklich und gehobener Stimmung nach Hause! Das funktioniert jedes Mal! Erstaunlich!

Was den lebensverändernden Teil angeht ... nun. Als ich orientalischen Tanz lernte und auch lehrte, konnte ich bei vielen Frauen, die zum Unterricht kamen, bemerkenswerte Veränderungen beobachten. Einige fühlten sich zunächst nicht wohl und waren nur da, weil ihr Frauenarzt es ihnen empfohlen hatte. Einige kamen in Sportausrüstung, die für Leichtathletik besser geeignet war. Einige waren schüchtern, versteckten sich hinten und waren weg, sobald die Stunde rum war. Nach einiger Zeit fühlten sie sich wohl, waren selbstbewusst und definierten für sich das Frau sein neu. Sie kamen in Röcken, auch mal in die vorderen Reihen und hätten am Ende der Stunde gerne noch weiter gemacht. Das gibt es sicher im Tribal Dance auch, da bin ich sicher. Wie bedeutend diese Veränderungen wirklich waren - wer weiß? Ich finde das jedenfalls faszinierend... Heute abend jedenfalls werde ich wieder glücklich sein: Power Duet Training steht an!

Sonntag, 21. Februar 2010

Das Herz des Tribal: Haltung


Gestern erzählte eine gute Bekannte, die auch Tribal unterrichtet, dass sie eine Anfrage von einer Tänzerin bekommen habe, die nun mit ihrer Gruppe Tribal tanzen möchte und eine Frage zum Kostüm hatte. Meine Bekannte beschlich das Gefühl, dass sie vielleicht darauf hinweisen sollte, das Kostumfragen eigentlich erst nach dem Erlernen der Tanztechnik anstehen. Für mich warf dies die Frage auf, was für eine Tribaltänzerin an ihrer Tanzform wichtig ist, was sie im Kern ausmacht. Was ich beim Tribaltanzen am wichtigsten finde, ist die Grundhaltung. Das muss sitzen. Das hat mich von Anfang an am Tribal fasziniert!

Da ich glaube, dass die äußere Haltung und die innere sich spiegeln, ist der Ausdruck das nächste: Ich will es nicht "stolz" oder "erhaben" nennen, weil es nichts mit "sich über andere stellen" zu tun hat. Sondern mit dem geraden, sprichwörtlichen Rückgrat, diesem In-sich-selbst-ruhen und sich seiner selbst sicher sein, diese Buddha-artige heitere Gelassenheit, die Spaß zulässt und dabei völlig unangestrengt, leicht und locker wirkt.
Das gilt dann für alle Tänzerinnen im Stamm, die ja im Idealfall alle die gleiche Haltung und den Ausdruck haben. Alle sind gut, richtig, können führen und geführt werden und haben Spaß am Tanzen miteinander. Daraus kommt dann diese spezielle Energie, die sich in einer funktionierenden Gruppe aufbaut, wenn die Tänzerinnen wirklich miteinander tanzen, kommunizieren – in der Tat, mit den Augen! Und wenn das funktioniert, springt es auch die Zuschauer über. Das geht nicht bei Choreografie, weil sich dann jede auf sich und ihr Ausüben der Choreo konzentriert. Es sei denn, man hat die Choreografie so lange und oft geübt, dass der Körper sie quasi "von allein" aus dem Körpergedächtnis tanzt und die Tänzerinnen im Kopf Raum für anderes haben.

Ich habe Spaß daran, zu improvisieren und dabei doch die Musik zu treffen. Ebenso habe ich Spaß daran, wenn eine andere führt und eine Passage mit guten Ideen füllt. Also gehört für mich zum Tribal Tanzen: Haltung, Ausdruck, Improvisation, Kommunikation, Energie. Dazu kommt Kostüm und erkennbare Verwurzelung in FCBD-ATS-Basics, auch Zimbeln bei schnellen Moves. Und los geht's!